Interview mit Vorstand Oakley
BASF forciert Pflanzen-Biotech

Die BASF will ihre Forschung in der Pflanzenbiotechnologie weiter ausbauen und noch im laufenden Jahr ein erstes Produkt auf diesem Gebiet auf den Markt bringen. BASF-Vorstand Peter Oakley machte im Gespräch mit dem Handelsblatt deutlich, dass der Konzern große Chancen sieht, seine Technologie auf dem Gebiet auch im Bereich der Pharmaforschung zu vermarkten.

Handelsblatt: Herr Oakley, die BASF investiert seit Jahren in die grüne Gentechnik. Wann kommt das erste Produkt auf den Markt?

Peter Oakley: Wir gehen weiterhin davon aus, 2007 die EU-Zulassung für unser erstes Produkt auf dem Gebiet, die genmodifizierte Kartoffelsorte Amflora, zu erhalten. Sie ist ausschließlich für die industrielle Weiterverarbeitung vorgesehen und zeichnet sich dadurch aus, dass sie nur eine bestimmte Stärke-Variante produziert, die beispielsweise in der Papierindustrie benötigt wird. Die Aufbereitung der Stärke kann damit deutlich vereinfacht und der Energieaufwand reduziert werden.

Insgesamt ist die Akzeptanz für die Pflanzenbiotechnologie in Europa aber nach wie vor gering. Was bedeutet das für die geschäftlichen Perspektiven?

Wir betrachten unsere Forschung auf dem Gebiet als ein langfristiges Engagement und sind heute zuversichtlicher denn je für unser Engagement in der grünen Gentechnologie. Unsere Renditeerwartungen stützen sich ganz wesentlich auf die Märkte in Nord- und Südamerika, wo gentechnisch veränderte Pflanzen schon heute in einem großen und weiter wachsenden Umfange angebaut werden. Europa bietet ein zusätzliches Upside-Potenzial.

Wovon bisher aber noch wenig zu erkennen ist.

Momentan ist die Akzeptanz für die grüne Gentechnik sicherlich noch gering. Aber es ist schwer vorstellbar, dass das wirklich so bleibt. Auch Europa wird sich mittelfristig wohl für diese Technologie öffnen.

Was macht sie in dieser Hinsicht so zuversichtlich?

Zum einen vor allem der kräftig steigende Bedarf an Agrarprodukten. Die Weltbevölkerung wird weiter wachsen und gleichzeitig wohlhabender. Damit wächst auch die Nachfrage nach hochwertigen Nahrungsmitteln. Alleine wenn man davon ausgeht, dass der Fleischkonsum in China um ein Kilogramm pro Person und Jahr zunimmt, würden dafür unter heutigen Bedingungen 22 Millionen Hektar zusätzliche Ackerfläche benötigt. Das entspricht fast der doppelten Ackerfläche Deutschlands.

Welche Rolle spielen nachwachsende Rohstoffe?

Die Klimadebatte und die zunehmende Bedeutung von nachwachsenden Rohstoffen sind ein weiterer Grund dafür, dass gentechnisch veränderte Pflanzen mittelfristig eine tragende Rolle für die Landwirtschaft spielen werden. Schon heute geht 20 Prozent der Maisproduktion in den USA in die Herstellung von Biosprit. Die Vorräte bei Mais und Weizen sind mittlerweile auf den niedrigsten Ständen seit den 70er Jahren.

Mit den herkömmlichen Züchtungsmethoden sowie besserer Technik in der Landwirtschaft konnte man in der Vergangenheit ebenfalls starke Zuwächse in der Agrar-Produktion erzielen.

Die Möglichkeiten der Effizienzsteigerung auf diesem Gebiet sind zusehends ausgereizt. Mechanisierung, Düngemittel und konventioneller Pflanzenschutz bringen derzeit nur noch etwa ein Prozent Produktionszuwachs pro Jahr. Das ist nicht genug um die wachsenden Anforderungen zu decken. Zudem sind neue Anbauflächen nur noch in begrenztem Umfang verfügbar. In Ländern wie China und Indien wird Ackerfläche durch zunehmende Industrialisierung und Infrastrukturprojekte verdrängt.

Die in den nächsten Jahren erforderlichen Produktivitäts-Zuwächse können daher nach unserer Überzeugung nur mit Hilfe der Pflanzenbiotechnologie erzielt werden. Es stellt sich insofern die Frage, wie lange es sich die europäischen Landwirte noch leisten können und wollen, in dieser Hinsicht hinter ihre internationalen Konkurrenten zurückzufallen.

Was die grüne Gentechnik bisher geliefert hat, zielte vor allem auf einfachere Anbaumethoden, nicht unbedingt auf höhere Erträge.

Das war die erste Welle an Produkten. Bei der zweiten Welle wird es viel stärker um verbesserte Eigenschaften der Pflanzen gehen, um Pflanzen mit qualitätsvolleren Inhaltsstoffen, um höhere Ernteerträge oder bessere Anpassung an Trockenheit und andere widrige Wetterverhältnisse. Das ist der Bereich, der mit Abstand das größte Potenzial für die Technologie bietet und auch der Bereich, in dem die BASF ihre große Stärke sieht.

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