Interview mit Vorstandschef Thomas Ludwig und Finanzvorstand Gisbert Rühl vom Stahlhändler Klöckner&Co
„Die Zeiten billigen Geldes sind vorbei“

Der Aktienkurs des Stahlhändlers Klöckner&Co ist seit Juni regelrecht abgestürzt. Im Interview mit dem Handelsblatt sprechen Vorstandschef Thomas Ludwig und Finanzvorstand Gisbert Rühl über die Folgen des Abschwungs auf den Märkten für das Unternehmen.

Handelsblatt: Die USA und Europa rutschen 2009 in die Rezession. Wie stark wird der Abschwung auf den wichtigsten Märkten das Stahlhandelsunternehmen Klöckner & Co treffen?

Thomas Ludwig: Was die Verkaufsmengen betrifft, hängen wir stark von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab. Schon bei einer Stagnation wird unser Absatz sinken, sollte die Wirtschaft schrumpfen, umso mehr. Einen Absatzrückgang von zehn oder 20 Prozent halte ich für extrem unwahrscheinlich – wegen unserer breiten Produkt- und Kundenstruktur. Es zahlt sich aus, dass wir nicht von einzelnen Großkunden abhängen.

Die Börse sieht das anders. Der Aktienkurs von Klöckner & Co ist seit Juni regelrecht abgestürzt.

Gisbert Rühl: Unser Aktienkurs hat sich in den vergangenen Wochen mit der gesamten Branche – also Händler und Produzenten – abwärts bewegt. Die Stahlindustrie wird von Investoren als zyklisch und gebrauchsgüternah gesehen und hat damit überproportional unter dem jüngsten Verfall der Rohstoffpreise gelitten.

Wann ist die Talfahrt zu Ende?

Rühl: Die meisten Stahlaktien notieren mittlerweile unter dem Buchwert ihres Reinvermögens. Das ist absolut nicht nachzuvollziehen, selbst wenn man – rein hypothetisch – einen Gewinnrückgang im nächsten Jahr von 50 Prozent unterstellt.

Manche Auguren befürchten, dass es sogar noch schlimmer kommt. Nach fünf Jahren Boom folgt jetzt womöglich der Sturz in die roten Zahlen.

Ludwig: Klöckner & Co hat operativ noch nie Verluste gemacht. Unser schlechtestes Resultat in diesem Jahrzehnt war ein Betriebsergebnis von 140 Millionen Euro.

Mit wie vielen mageren Jahren rechnen Sie?

Ludwig: Ich persönlich sehe das, was wir jetzt erleben, mehr als Delle. Ich glaube nicht, dass die langfristige Entwicklung grundlegend anders verlaufen wird, als die meisten Experten bislang prognostiziert haben. Getragen von der steigenden Nachfrage in Russland und China wird der weltweite Stahlverbrauch auch in Zukunft um drei bis fünf Prozent pro Jahr wachsen. Aber noch ist es zu früh, die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Gesamtwirtschaft exakt vorherzusagen.

Sicher ist aber, dass sich die Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen in Zukunft spürbar zurückhalten werden.

Ludwig: Ja, die Zeiten des billigen Geldes sind vorbei. Und das bedeutet, dass der Wachstumsimpuls, der bisher aus der Niedrigzinspolitik gerade in den USA gekommen ist, wegfällt. Die Banken müssen wieder mehr Kredite auf die eigene Bilanz nehmen und dies wird die Refinanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen einschränken.

Das Geschäftsmodell von Klöckner & Co basiert bisher vor allem auf Wachstum durch fremdfinanzierte Übernahmen. Funktioniert das nun nicht mehr?

Rühl: Auch wenn es gelingt, eine systematische Finanzkrise zu vermeiden, werden sich die Finanzierungskonditionen nachhaltig verschärfen. Deshalb haben wir unsere Akquisitionsstrategie vorübergehend ausgesetzt. Priorität hat zunächst die Entschuldung. Das wird auch relativ schnell gehen, da wir analog zu den rückläufigen Stahlpreisen unser Nettoumlaufvermögen abbauen. Wenn es die Situation erfordert, könnten wir im Laufe des Jahres 2009 unsere Nettobarschulden von 700 Millionen Euro weitgehend getilgt haben.

Heißt das, Bargeld lacht?

Ludwig: Unsere Botschaft lautet: Klöckner & Co kann sich sehr schnell auf die neue Situation auf den Finanzmärkten einstellen.

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