Interview mit VW-Vorstand Wolfgang Bernhard
„Wir müssen jeden Euro zweimal umdrehen“

VW-Vorstand Wolfgang Bernhard äußert sich im Handelsblatt-Interview über die Standortentscheidung für den neuen Geländewagen und den Porsche-Deal.

Herr Bernhard, Sie haben bis in die Nacht über die Produktionsbedingungen für den neuen VW-Geländewagen verhandelt. Sind sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Auf jeden Fall! Wir haben in schwierigen Verhandlungen unser Ziel, die Arbeitskosten je Auto um 850 Euro zu senken, erreicht. Wir können den Wagen jetzt wirtschaftlich in Wolfsburg produzieren.

Welche Kompromisse mussten Sie dafür eingehen?

Wir haben dem Betriebsrat den Bau eines weiteren Fahrzeugs zugesagt, das ab 2008 am Standort Emden gefertigt werden soll. Außerdem haben wir vereinbart, gemeinsam die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Wolfsburg so zu verbessern, dass auch dort ein weiteres Modell produziert werden kann.

Wolfgang Bernhard

Gegenwart: Bernhard ist derzeit Markenverantwortlicher von Volkswagen. Der 45-jährige Volkswirt gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge des Konzernchefs Bernd Pischetsrieder.

Vergangenheit: Seinen glänzenden Ruf hat sich der Weltbürger mit dem Allgäuer Zungenschlag in Amerika erarbeitet. Dort hat er gemeinsam mit dem designierten Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche die angeschlagene US-Sparte Chrysler saniert. 2004 schied er im Streit aus dem Konzern – nach offener Kritik an Vorstandschef Jürgen Schrempp.

Unter welchen Bedingungen bekommt Emden den Zuschlag?

Unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten des Haustarifvertrags. Die Eckpunkte sind Einsparungen durch ein neues Schichtsystem und geringere Zuschläge.

Die Strategie „Jobs gegen Eingeständnisse“ hat funktioniert. Wird das zur Regel?

Es geht nicht um Eingeständnisse. Wir brauchen wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und können nur noch dort investieren, wo sichergestellt ist, dass die Jobs auch wettbewerbsfähig sind.

Das heißt, der Abschluss hat Modellcharakter?

Wir müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Deshalb werden wir bei jedem Modell noch genauer als bisher hinschauen. Wir werden entscheiden, ob ein Auto hier, woanders oder gar nicht gebaut wird. Wer jetzt glaubt, dass die Probleme von VW mit der heutigen Einigung gelöst sind, der irrt sich.

Die Arbeitskosten bei VW sollen nun bereits vor 2011 um zwei Milliarden Euro sinken. Reichen die bisherigen Maßnahmen?

Überhaupt nicht, die Richtung stimmt, aber das jetzt Erreichte ist nur ein erster Schritt auf einem langen Weg. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen und in Selbstzufriedenheit verfallen.

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