Interview mit Wolfgang Eder
„Es lauern durchaus noch Gefahren“

Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Voestalpine-Chef Wolfgang Eder über die starke Entwicklung des Stahlherstellers, die Lehren aus der Finanzkrise und die Zukunftsaussichten der Branche.
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Handelsblatt: Herr Eder, wird Ihnen selbst nicht ein wenig mulmig angesichts der extremen schnellen Aufwärtsbewegung bei der Voestalpine?

Wolfgang Eder: Natürlich. Wir profitieren immens von der starken Nachfrage bei unseren Kunden in der deutschen Automobilindustrie. Ich würde mich wohler fühlen, wenn es in Deutschland nicht ganz so schnell nach oben gehen würde. Es droht dann immer die Gefahr der Überhitzung und eines Rückschlages. Deshalb halte ich es für besser, wenn eine Wirtschaft vielleicht mit zwei oder maximal drei Prozent wächst, nicht aber mit vier.

Voestalpine ist viel schneller als andere Stahlhersteller aus der Krise gekommen. Warum?

Wir sind konjunkturell deutlich unempfindlicher geworden. Das ist das Ergebnis eines langen Prozesses, den wir vor mehr als zehn Jahren begonnen haben. Wir sind heute das forschungsintensivste Unternehmen in Österreich, sind also nicht mehr ausschließlich auf das Massenprodukt Stahl angewiesen. Zudem haben wir ein sehr ausgewogenes Produktportfolio, was für zusätzliche Sicherheit sorgt.

Heute geht es Ihrem Unternehmen wieder ziemlich gut. Welche Lehren bleiben aus der Krise?

Wir brauchen eine neue Flexibilität unter den Stahlherstellern. Wir müssen dazu in der Lage sein, uns beinahe wöchentlich auf veränderte Kundenwünsche einstellen zu können. Die Zeit der großen langfristigen Pläne in einem Stahlunternehmen ist vorüber. Wir brauchen eine neue Leichtigkeit des Seins in unserer Branche.

Kann Voestalpine das?

Ja, das haben wir in der Krise gelernt. Wir kommen beispielsweise mit deutlich weniger Lager- und Rohstoffbeständen als in der Vergangenheit aus. Uns reichen heute etwa 40 Prozent der Reserven, die wir vor der Krise vorgehalten haben. Auch im Umgang mit den Banken – also in der Finanzierung – geht es heute deutlich flexibler.

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