Interview mit: Wulf Bernotat
„Die Zeiten werden schwieriger“

In der Krise will Eon die Leistungen steigern und Kosten senken. Eon-Chef Wulf Bernotat schwört seine Mitarbeiter auf einen Sparkurs ein. Im Handelsblatt Interview spricht er über die Finanzkraft des Versorgers und fordert, die Energiekonzerne aus dem Klammergriff der Politik zu befreien.

Handelsblatt: Herr Bernotat, Ihr Konkurrent RWE steht vor der Übernahme der niederländischen Essent. Sind Sie neidisch?

Wulf Bernotat: Warum sollte ich? In Europa haben wir eine einzigartige Präsenz und speziell in der Region Benelux heute schon eine gute Position, die wir weiter verbessern werden. Wir müssen deshalb nicht für viele Mrd. Euro weitere Assets hinzukaufen.

Eon kann sich nach der Einkaufstour der letzten Jahre einen ähnlichen Kauf auch gar nicht mehr leisten, oder?

Das stimmt nicht. Wenn es Sinn macht, würden wir unsere Prioritäten anders setzen. Wir überprüfen unser Portfolio permanent auf Strategie- und Wertbeitrag und könnten uns zum Beispiel überlegen, für ein lukratives Objekt ein anderes Asset aufzugeben.

Mangelt es Eon denn an Finanzkraft?

Nein, uns stehen unterschiedliche Finanzierungstöpfe zur Verfügung. Da ist unser unverändert starker Cash-Flow, da sind verschiedene Möglichkeiten der Aufnahme von Fremdkapital, und da wäre Liquidität aus einem möglichen Verkauf von Assets. Wir wollen uns aber derzeit auf organisches Wachstum konzentrieren.

Wie froh sind Sie angesichts der Finanzkrise, dass Ihnen die über 40 Mrd. Euro teure Übernahme des spanischen Versorgers Endesa nicht gelungen ist?

Dass ist im Rückblick eine hypothetische Frage. Sie könnten genauso hypothetisch argumentieren, dass wir einen tollen Deal gemacht hätten, wenn wir mit unserem ersten Angebot über insgesamt 29 Mrd. Euro zum Zuge gekommen wären. Es ist müßig zurückzuschauen. Mit dem, was wir bekommen haben, haben wir uns in wichtigen europäischen Märkten starke Positionen aufgebaut.

Sie haben sich Teile von Endesa gesichert - für fast zwölf Mrd. Euro. Müssen Sie den Wert jetzt nicht in Ihren Büchern nach unten korrigieren?

Grundsätzlich muss man bei jedem Investment immer wieder schauen, wie werthaltig es ist. Das machen wir jedes Jahr. Dass die Preise vor einem Jahr höher waren als heute, ist richtig. Aber man trifft die Entscheidungen immer dann, wenn sie anstehen - und in diesem Fall vor allem aus strategischen Gründen.

Wie sieht es bei Ihrem Engagement in Russland aus? Der Stromproduzent OGK-4 ist inzwischen nur noch einen Bruchteil des Kaufpreises von 4,6 Mrd. Euro wert, den Sie 2007 bezahlt haben.

Der derzeitige Börsenwert der Gesellschaft ist nicht relevant, zumal es nur noch knapp über 20 Prozent freie Aktionäre gibt. Entscheidend ist, dass sich an unserer sehr positiven Einschätzung des Wachstumspotenzials nichts geändert hat. Russland hält ja weiter am Fahrplan für die Liberalisierung seines Strommarkts fest, der zu den größten und wachstumsstärksten der Welt gehört.

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