Interview
„Nicht alle werden überleben“

Norbert Eisenberg ist Manager bei Boyden Interim Management. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Eisenberg über die schwierige Situation der Automobilzulieferer und was Politik und Unternehmen in der Krise tun können.

Herr Eisenberg, die Situation der Zulieferer beschäftigt auch die Regierung. Was kann die Politik tun?

Ich glaube, dass die Politik in engen Gesprächen mit Zulieferern und Herstellern dafür sorgen muss, dass die unausweichliche Konsolidierung in der Branche in vernünftigen Bahnen verläuft. Bund und Länder müssen überlegen, wie man wichtige Zulieferer stabilisieren kann, beispielsweise durch die angekündigten Programme der Förderbank KfW für den Mittelstand. Zudem kann man – auch unter Einschaltung von Private Equity – Insolvenzen vermeiden, indem die Politik rechtzeitig Übernahmen angeschlagener Mittelständler befördert, indem sie solche Gespräche moderiert.

Was können die Firmen jetzt selbst tun, um gegenzusteuern?

Viel können Sie nicht tun, aber Sie müssen als Zulieferer jetzt an die Kosten gehen und Liquidität sichern. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass die Schockwirkung der Finanzkrise auf die Verbraucher, die die Nachfrage nach Autos einbrechen lässt, ein zeitlich überschaubares Thema bleibt. Die Leute beginnen langsam zu begreifen, dass das Geld auf der Bank doch sicher ist. Die Sorge der Menschen um ihren Arbeitsplatz und ihr Einkommen bremst allerdings weiter die Nachfrage. Aber das wird sich auch in den nächsten Monaten etwas auflösen, denke ich. Was aber nicht heißt, dass alle Zulieferer die Krise überleben werden.

Fürchten Sie, dass die Fliehkräfte der Krise auch die Conti-Übernahme noch zerreißen?

Ich muss betonen, dass ich kein Experte dafür bin und keine vertiefte Einsicht habe. Aber man sieht natürlich an den Anstrengungen, die unternommen werden, um für finanzielle Abpolsterung zu sorgen, dass bei den handelnden Personen deutliche Besorgnis herrscht. Eine Sorge, die offensichtlich nicht nur bei den Unternehmen herrscht, sondern auch bei den Banken, die für die Finanzierung zuständig sind.

Experten sehen 100 000 Jobs in der Branche bedroht. Sind das realistische Zahlen?

Wenn Sie den schlimmsten Fall zur Grundlage der Schätzung machen, kann man natürlich zu solchen Zahlen kommen. Ich würde das aber im Moment für weit überzogen halten, weil ich doch beobachte, dass alle Seiten – und damit meine ich Zulieferer, Hersteller und Politik - ihrer Verantwortung nachkommen.

Was würde denn ein Kollaps von Opel für die Branche bedeuten?

Opel braucht ja die Staatsbürgschaft, um sich für eine mögliche Insolvenz des Mutterkonzerns General Motors zu wappnen – und nicht, weil das Unternehmen selbst in Schieflage steckt. Für so eine Sondersituation halte ich eine Bürgschaft für gerechtfertigt, denn es geht darum, wieder Vertrauen herzustellen. So mancher Käufer würde sonst momentan doch keinen Opel kaufen, weil er Angst hat, dass es die Firma in drei Jahren noch gibt. Und natürlich hängen da auch Zulieferer mit dran.

Werden die deutschen Zulieferer die Verlierer der Krise sein?

Wenn es zu einer vernünftigen Konsolidierung kommt, dann wird die deutsche Automobil-Zuliefererindustrie deutlich gestärkt in ihrer Wettbewerbsfähigkeit aus dieser Krise hervorgehen.

Die Fragen stellte Carsten Herz.

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