Interview: Schneider Elektrik-Chef Henri Lachmann
"Trichet liegt vollkommen falsch"

Mit dem Handelsblatt spricht Schneider Elektrik-Chef Henri Lachmann über deutsch-französische Beziehungen, Wirtschaftspolitik und die Zukunft seines Unternehmens. Der 66-jährige gilt als eine der einflussreichen französischen Unternehmerpersönlichkeiten.

Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich werden Unternehmen häufig von Politikern dafür angegriffen, dass sie Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Wieso gibt es diese politische Debatte?

Die Politik versteht einfach die Zusammenhänge nicht. Die Industrie muss nahe am Kunden produzieren. Wir können doch nicht alles in Frankreich herstellen und dann exportieren.

Auch Sie wollen Arbeitsplätze außerhalb des Euroraums schaffen. Handeln Sie nicht unpatriotisch?

Überhaupt nicht. Schneider Electric macht rund 50 Prozent seines Umsatzes in Euro, aber rechnet rund 60 Prozent der Kosten in Euro ab. Dieses Ungleichgewicht wiegt schwer. Die Dollar-Schwäche hat uns zwei Prozentpunkte an Marge in den vergangenen zwei Jahren gekostet. Dazu sind unsere Transport-Kosten heute fast so hoch wie die Lohnkosten. Ich habe also überhaupt keine Wahl, und muss meine Produktion näher an meine Kunden heranführen.

Hinter der Debatte um Stellenverlagerung steckt die Sorge, wie wettbewerbsfähig die Industrieländer Frankreich und Deutschland noch sind. Was muss ihrer Meinung nach geschehen?

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir mehr in neue Technologien und Innovationen investieren. Dazu ist Frankreich alleine aber nicht groß genug. Wir brauchen Partner, vor allem Deutschland.

Gerade in Deutschland ist man in Bezug auf Partnerschaften vorsichtig geworden. Denn man hat den Eindruck, dass Frankreich von Partnerschaften redet, tatsächlich aber egoistisch handelt, siehe Alstom, EADS oder die Aventis-Übernahme.

Die Fälle dürfen Sie nicht durcheinander bringen. Beispiel Alstom: Der Staat hatte meiner Meinung das Recht, dem Unternehmen zu helfen, um Arbeitsplätze zu erhalten. Aber die bei Alstom gefundene Lösung halte ich für schlecht.

Wieso?

Der Staat und der Steuerzahler sind nicht dazu da, bei Alstom eine Kapitalerhöhung zu zeichnen. Die einzig richtige Lösung wäre ein ausgewogenes deutsch-französisches Projekt mit Siemens gewesen. Die Energie-Sparte hätte zum Beispiel bei Siemens, die Transport-Sparte bei Alstom angesiedelt werden können. Ich habe das der Regierung vorgeschlagen, leider ist man dem nicht gefolgt.

Sie halten das Gerede von „nationalen Champions“ für Unfug?

Man sollte nicht mehr von nationalen Champions reden, eher von bi-nationalen oder europäischen Champions. Die Politik sollte sich vor allem heraushalten, auch beim Flugzeugkonzern EADS hat der staatliche Einfluss gestört.

Wie groß ist denn der Einfluss der französischen Regierung in der Wirtschaft?

Die Regierung kann nicht mehr viel machen, auch wenn sie es versucht. Die Regierung hat mich einmal angerufen, um mich aufzufordern, dass ich Alstom helfen solle. Und ich habe ganz klar geantwortet: „Nein“.

Wie bitte?

Der Regierung schwebte eine Fusion oder etwas Ähnliches vor. Ich habe aber klipp und klar „Nein“ gesagt, denn die Regierung hat auf Scheider Electric keinen Einfluss. Was kann die Regierung schon tun? Sie vergibt keine Aufträge an uns, ist kein Aktionär und Frankreich macht nur 13 Prozent unseres Umsatzes aus.

Auf jeden Fall ist das deutsch-französische Klima durch die Staatsinterventionen vergiftet.

Deshalb wäre ja ein ausgeglichenes Projekt zwischen Siemens und Alstom so sinnvoll gewesen. Ich bin immer noch davon überzeugt.

Ist denn die deutsch-französische Achse überhaupt noch sinnvoll? Warum keine deutsch-britische, oder französisch-italienische Achse?

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