Interview
Shell-Experte: Elektroauto ist ein Hype

Wolfgang Warnecke ist Leiter der weltweiten Kraftstoffentwicklung von Shell. Im Interview mit Handelsblatt.com erklärt Warnecke, warum das Elektroauto aus Sicht von Europas größtem Ölkonzern ein kurzfristiger Hype ist, wie Shell darauf reagieren will und wieso Biosprit noch ein großes Comeback erleben wird.

Herr Dr. Warnecke, das Elektroauto kommt. Wird Ihnen da als Leiter der weltweiten Kraftstoffentwicklung von Shell nicht angst und bange um ihr Geschäftsmodell?

Nein, ganz und gar nicht. Ich glaube fest daran, dass der größte Teil der Mobilität auch zukünftig von Verbrennungsmotoren mit unterschiedlichen Kraftstoffen ermöglicht wird. Diese werden entweder mit fossilen Energien oder mit einem Mix aus biogenen Kraftstoffen und neuen Additiven betrieben. Das Entwicklungspotenzial des Verbrennungsmotors ist enorm.

Große Autohersteller wie Volkswagen oder General Motors bezeichnen aber elektrische Antriebe als die Antriebsform der Zukunft. Vom Verbrennungsmotor ist keine Rede mehr.

So wird das meines Wissens nach in der Automobilindustrie nicht gesehen. Die Kollegen sagen ganz deutlich, dass der Elektroantrieb eine gute Alternative für gewisse Nutzungsbereiche darstellt. Aber kein Hersteller bezeichnet den Elektroantrieb als die einzige Antriebsquelle der Zukunft.

Marktanalysen verschiedener Beratungsfirmen wie etwa Roland Berger prophezeien den Elektroautos aber ein höheres Wachstum als jedem anderen Antriebskonzept.

Für bestimmte Anwendungen wird es Elektrofahrzeuge geben. Aber dieses Wachstumssegment wird auf Nischen beschränkt bleiben. In zehn Jahren wird ein Großteil der Deutschen nicht mit einem Elektrofahrzeug fahren. Bis zum 1. Januar dieses Jahres sind in Deutschland 1 452 Autos mit Elektroantrieb zugelassen worden. Das sind zwar 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr, aber die Ausgangsbasis für das Wachstum dieses Marktsegments ist dennoch sehr niedrig. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es 40 Millionen Autos. Nicht zu vergessen, dass die Vorlaufzeiten bis zur Einführung eines neuen Fahrzeugs in der Automobilindustrie üblicherweise bei mindestens fünf Jahren liegen. Es wird also noch eine geraume Zeit dauern, bis marktreife Elektroautos verfügbar sind. Das geht nicht von heute auf morgen. Selbst wenn ab sofort nur noch Elektroautos zugelassen würden, bräuchte es 15 Jahre, bis der gesamte Fahrzeugbestand Deutschlands elektrifiziert wäre. Wir erleben heute einen Elekro-Hype.

Die Autohersteller pumpen Milliarden von Euro in die Entwicklung. Das spricht doch sehr dafür, dass aus diesem Hype ein nachhaltiger Trend werden könnte, oder?

Vor zehn Jahren gab es bereits einen ähnlichen Hype um Zwei-Takt-Motoren, die besonders effizient sein sollten. Es wurden erhebliche Investitionen in die Entwicklung gesteckt, bis sich herausstellte, dass diese Aggregate zu viele Probleme hatten. Heute spricht kein Mensch mehr davon. Danach gab es den Brennstoffzellen-Hype. Der Antrieb mit Wasserstoff sollte die einzige Zukunftslösung fürs Automobil sein. Und auch hier ist es heute richtig zu sagen, dass es bei der Brennstoffzelle einschließlich der Herstellung, Logistik und Infrastruktur des Wasserstoffes noch einige Hürden zu nehmen gibt. Und jetzt gibt es halt den Elektro-Hype.

Aber VW-Chef Martin Winterkorn hat doch mehrfach öffentlich gesagt, dass das Auto der Zukunft elektrisch sein wird.

Mag sein, aber soweit ich informiert bin weisen die Kollegen aus der VW Forschung rund um Prof. Leohold darauf hin, dass Elektrofahrzeuge zwar sehr interessant sind, aber eben nur für bestimmte Nischen und Anwendungen, und dass zweitens noch große Hürden zu nehmen sind, bevor das Elektroauto wirtschaftlich akzeptabel sein wird.

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