Interview
Siemens deutet Gewinnwarnung an

Nun wankt auch noch der Fels in der Brandung: Siemens, bisher über konjunkturelle Schwankungen erhaben, muss sich offenbar dem schlechten Umfeld beugen. Konzernchef Peter Löscher tastet sich vorsichtig in Richtung Gewinnwarnung vor und stellt schlechte Nachrichten in Aussicht. Die Börse reagiert drastisch auf das Interview.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. „Seit Januar ist das Umfeld noch einmal erheblich schlechter geworden“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher am Dienstag dem Handelsblatt.

Bisher galt Siemens mit seinen weltweit 430 000 Mitarbeitern als Fels in der Brandung. Die starke Stellung in der Energie- und Umwelttechnik bewahrte die Münchener zunächst vor starken Geschäftseinbrüchen im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise. So war der operative Gewinn zwischen September und Dezember 2008 nochmals um ein Fünftel gewachsen, nur der Auftragseingang zeigte da schon nach unten.

In den vergangenen Wochen hat sich das Geschäft aber offenbar deutlich verschlechtert. Auch Siemens könne sich nicht der Krise entziehen, sagte Löscher. „Wir sind nicht immun.“ Dennoch warnt der Vorstandschef, der den Konzern seit Sommer 2007 führt, vor Schwarzmalerei. Gut laufe das Geschäft vor allem in der Energiesparte, wo der Konzern von langfristigen Großaufträgen profitiert. Schwierig dagegen sei das frühzyklische Geschäft etwa mit der Industrieautomatisierung oder in der Lichtsparte Osram.

Mit seinen Aussagen bereitet Löscher die Öffentlichkeit vorsichtig darauf vor, dass das ambitionierte Ziel, auch in diesem Geschäftsjahr einen Rekordgewinn von 8,5 Mrd. Euro zu erzielen, wackelt. Finanzanalysten rechnen damit, dass der Konzern seine Gewinnprognose für 2008/09 (30. September) bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende April kassiert.

Im Schnitt erwarten die Experten einen operativen Gewinn von gut sechs Mrd. Euro. „Mich würde nur überraschen, wenn sie das Gewinnziel erreichen würden, nicht, wenn sie es verfehlen“, sagte Siemens-Experte Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. Zwar sei es gut möglich, dass Siemens den Vorjahreswert von 6,5 Mrd. Euro erreiche. Dies sei dann aber vor allem auf den Wegfall von Einmalbelastungen zurückzuführen.

Dennoch läuft es bei Siemens noch besser als bei vielen Konkurrenten. „Zehn Jahre lang stand der Konzern im Schatten von General Electric“, sagte Analyst Kitz, „damit ist Schluss.“ Der Erzrivale von Siemens hat vor allem mit Problemen in seiner Finanzsparte GE Capital zu kämpfen. Nach unterschiedlichen Szenarien könnte der Konzerngewinn von den geplanten fünf Mrd. Dollar auf zwei bis 2,5 Mrd. und im schlechtesten Fall sogar fast auf null absinken. Im vergangenen Jahr hatte GE noch mehr als 18 Mrd. Dollar verdient, der Aktienkurs ist deutlich stärker abgestürzt als bei Siemens.

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