Interview Toyota-Deutschland-Chef
Toyota: „Niemand wird auf Mobilität verzichten“

Alain Uyttenhoven ist seit April 2008 Deutschland-Chef bei Toyota. Im Interview spricht der Belgier über die Zukunft der Autoindustrie, tausend Flaschen im Weinkeller und deutsche Kinderfeindlichkeit.

Herr Uyttenhoven, im neuen Toyota Prius gibt es einen Knopf für umweltschonende Beschleunigung und einen für den schnellen Antrieb –drücken Sie Eco oder Power?

Während der Woche fahre ich Power und am Wochenende Eco.

Die Politik will den CO2-Ausstoß senken. Liegen für den Prius schon Bestellungen aus dem Regierungsviertel vor?

Vom neuen Prius weiß ich es nicht, aber den alten fahren schon ein paar Politiker. Namen möchte ich nicht nennen. Insgesamt fahren nicht so viele deutsche Persönlichkeiten den Prius wie im Ausland.

Unsere Kanzlerin Angela Merkel hat sich noch nicht gemeldet?

Sie hat momentan wohl andere Aufgaben.

Die Deutschen interessieren sich bisher wenig für die Hybridtechnik. Das Vorgängermodell war alles andere als ein Verkaufsschlager. Welches Potenzial sehen Sie für das neue Modell?

Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren 10 000 Autos jährlich verkaufen. Das Thema ist hier noch immer neu. Dabei sind wir schon bei der dritten Prius-Generation. Es gibt bisher keinen deutschen Hersteller, der sich das Thema wirklich auf die Fahnen schreibt. Wir sind Importeur. Aus Studien wissen wir, dass sich 25 Prozent der Neuwagenkäufer für ihr nächstes Auto einen Hybridantrieb vorstellen können. Vor einigen Jahren waren es noch weniger als zehn Prozent.

Sieht es international anders aus?

Im Heimatmarkt in Japan haben wir schon mehr als 200 000 Bestellungen für das Auto, die Lieferzeiten werden immer länger. Und in den USA geht es auch in diese Richtung.

Sie arbeiten als Belgier in Deutschland für einen japanischen Konzern – wo liegen die kulturellen Unterschiede?

Japaner sagen zu allem erst mal Ja. Das bedeutet jedoch nicht immer, dass sie einverstanden sind. Das gab am Anfang oft Missverständnisse. Ich ging aus dem Meeting und dachte: „Jetzt können wir loslegen.“ Mein europäischer Partner sagte nur: „Langsam, er hat nur gesagt, dass er dich verstanden hat.“

Sprechen Sie Japanisch?

Ich kann überleben, ein Bier bestellen und im Hotel ein paar dumme Fragen stellen, mehr nicht.

Was ist noch anders in Hinblick auf die Unternehmenskultur?

Wir stecken bei einem Projekt 80 Prozent der Zeit nur in die Vorbereitung. In deutschen Unternehmen sind es hingegen 80 Prozent Umsetzung. Ein weiterer Unterschied: Die Qualität wird bei den Japanern weniger von Einzelnen geprägt. Das Thema Gemeinschaft ist dort viel wichtiger. In deutschen Unternehmen haben einzelne Personen mehr Einfluss. Aber in beiden Nationen zählen Fakten mehr als Emotionen. Deswegen sind die Unterschiede viel kleiner, als man denkt.

Ihr Mutterkonzern rechnet mit zwei Verlustjahren. Wie stellt der Konzern seine Manager auf die Defensive ein?

Wir haben erkannt, dass Toyota ein bisschen zu schnell gewachsen ist in den letzten fünf Jahren. Wir werden also eine kurze Pause machen. Wir versuchen unseren Break-even, also den Punkt, wo wir wieder Gewinn machen, in den kommenden zwei Jahren auf sieben Millionen Autos pro Jahr zu senken. Toyota ist ein langfristig orientiertes Unternehmen. Wir werden nicht so einfach Mitarbeiter entlassen. Deswegen versuchen wir mit allen anderen Mitteln die Kosten zu reduzieren.

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