Interview Vorstandschef Wolf
Magna rechnet mit neuen Opel-Aufträgen

Magna hat seine Pläne, mit einem eigenen Autobauer den Herstellern Konkurrenz zu machen, ad acta gelegt. Der kanadisch-österreichische Zuliefer will sich auf das Kerngeschäft konzentrieren – und rechnet trotz allem mit weiteren Aufträgen von Opel. Mit Volkswagen hakt es dagegen immer noch.
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FRANKFURT. Der austro-kanadische Autozulieferer Magna rechnet nach dem Scheitern seiner Einstiegspläne bei Opel mit neuen Aufträgen des Rüsselsheimer Autobauers. „Wir haben Aufträge von General Motors und es gibt keinen Grund, warum wir nicht auch neue erhalten sollten“, sagte Magna-Co-Chef Siegfried Wolf dem Handelsblatt. „Die Grundlage von jedem Geschäft ist Vertrauen und in den vergangenen Monaten hat sich eine gute Basis entwickelt, die eine Grundlage für gutes Geschäft sein kann.“

Magna bemüht sich sichtbar darum, die Wogen nach dem abrupten Kurswechsel des wichtigen Kunden und Opel-Mutterkonzerns General Motors zu glätten. Der Zulieferer, der im dritten Quartal in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt war, will sich nun vor allem auf sein Kerngeschäft konzentrieren. „Wir werden nicht aktiv suchen, welcher Autohersteller nun passen könnte“, sagte Wolf. „Wir haben ein sehr, sehr wichtiges Zulieferergeschäft, das ist unser Hauptgeschäft – und darauf konzentrieren wir uns jetzt.“

Das werden viele der großen Magna-Kunden begrüßen. Denn der mittlerweile gescheiterte Versuch des Zulieferers, durch einen Einstieg bei Opel selbst zum Autoproduzenten aufzusteigen, hat einige Kunden vergrätzt. Vor allem BMW und VW hatten öffentlich eine weitere Auftragsvergabe im Fall einer Opel-Beteiligung Magnas in Frage gestellt. Mit BMW erwartet Wolf nach dem Scheitern der Opel-Pläne keine Probleme mehr. Anders als von VW.

Boxster-Auftrag für Magna wackelt weiter

So muss Magna um seinen VW-Auftrag für den nächsten Porsche Boxster bangen. VW kämpfe wie jeder andere Autohersteller derzeit mit einer Kapazitätsunterauslastung. Es werde deshalb Gespräche über eine Rücknahme des Auftrags geben.

„Die Fertigung des Porsche Boxster ist immer nur als Spitzenabdeckungsprogramm geplant gewesen für den Fall, dass wenn Überkapazitäten notwendig wären, wir die in Graz produzieren können“, schränkte Wolf im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. Wenn ein Autobauer das eigene Haus aber nicht auslasten könne, „ist es ein legitimer Wunsch, über eine Rücknahme des Auftrags zu diskutieren“. Wolf und VW-Partriarch Ferdinand Piech hatten bereits Ende der vergangenen Woche am Rande der Verleihung des Goldenen Lenkrades ein Gespräch unter Vier-Augen geführt.

Wolf räumte ein, dass er von der GM-Absage kalt erwischt worden ist. Magna sei „natürlich überrascht und enttäuscht – aber Sie wissen, im Geschäftsleben müssen Sie Entscheidungen, wenn sie getroffen worden sind, so nehmen wie sie fallen“.

Dass Magna-Manager Herbert Demel nun auf den Chefsessel in Rüsselsheim wechseln könnte, wie Branchenkenner seit Tagen spekulieren, dementierte Wolf im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Er sieht nun als Hauptaufgabe von GM, die Opel-Mitarbeiter wieder zu motivieren, die gegen einen Verbleib bei GM protestieren. „Das wird sicherlich die wichtigste Herausforderung des Mutterkonzerns sein, die Opel-Mitarbeiter hinter sich zu bekommen“, sagte der Magna-Co-Chef. „Vertrauen zu verlieren geht schnell, Vertrauen wieder zu gewinnen, dauert sehr, sehr lange.“

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