Interview
VW-Sanierer Bernhard redet Tacheles

VW-Markenchef Wolfgang Bernhard ist für seine klare Sprache bekannt. Doch bei seinen neuesten Äußerungen dürften selbst die leidgeprüfen VW-Werker zusammengezuckt sein. Bernhard stellt den deutschen Fabriken ein katastrophales Zeugnis aus. Und auch Aufsichtsratschef Piech kriegt sein Fett weg.

HB HAMBURG. Mit der derzeitigen Produktivität könne VW im Volumensegment langfristig nicht überleben, sagte der als Sanierer geholte VW-Manager in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview des Wirtschaftsmagazins „Capital“. Während der Durchschnitt der Konkurrenten mit 25 Stunden oder weniger auskomme, um ein Auto zusammenzubauen, brauche VW die doppelte Zeit. Bernhard warnte deshalb davor, sich nach den ersten Sparerfolgen zurückzulehnen. Nötig seien tief greifende Veränderungen.

Für den Umbau brauche VW drei Jahre, „wenn wir richtig Gas geben“. Dann dürften sich Management und Belegschaft aber nicht „in Selbst-Suggestion und Selbsthypnose üben - nach dem Motto: Alles halb so schlimm.“ Die deutschen Fabriken machten seit 2003 Milliardenverluste, räumte Bernhard ein. Der Bereich überlebe nur, weil VW-Werke im Ausland oder Beteiligungen mit Quersubventionen hülfen.

Bernhard bekräftigte, dass VW weiterhin vor allem Autos für breite Einkommensschichten bauen werde. „Ein Volumenhersteller, der glaubt, er könne sich in Luxus flüchten, weil dort die Früchte noch saftiger sind, unterliegt einem Irrglauben. Ich wage zu behaupten: Auch dort werden die fetten Jahre bald zu Ende gehen.“ Der frühere VW-Chef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende von Europas größtem Autobauer Volkswagen, Ferdinand Piech, war wegen seiner Luxusauto-Strategie in die Kritik geraten. Zuletzt hatte VW das Oberklassemodell Phaeton wegen hoher Verluste in den USA vom Markt genommen. Dennoch wird es ein Nachfolgemodell geben.

Bernhard leitet seit Mai die Markengruppe VW, zu der neben der Hauptmarke auch der tschechische Autobauer Skoda sowie die Marken Bentley und Bugatti gehören. Für die Kernmarke alleine stand im ersten Halbjahr immer noch ein Verlust zu Buche.

Bernhard will binnen drei Jahren allein bei der Hauptmarke Volkswagen die Kosten um 5 Mrd. Euro senken und weitere 2 Mrd. Euro durch „Leistungssteigerungen“ im Vertrieb hereinholen. Die VW-Markengruppe soll künftig um 10 Mrd. Euro günstiger produzieren. Bis 2008 soll der VW-Konzern den Vorsteuergewinn mit Hilfe des Sparkurses um 4 Mrd. auf 5,1 Mrd. Euro steigern. Rund 10 000 Arbeitsplätze sollen allein in Deutschland gestrichen werden.

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