Interview
„Wir können das nicht ausgleichen“

Der Chef des drittgrößten deutschen Energiekonzerns EnBW, Hans-Peter Villis, will das Unternehmen nach der Ära Classsen durch Zukäufe voranbringen. Im Interview mit dem Handelsblatt warnt der Atomkraftbefürworter vor Engpässen in der Stromversorgung und kritisiert die Öffentlichkeitarbeit der Branche.

Handelsblatt: Herr Villis, Sie sind nun 100 Tage an der Spitze der EnBW. Der Energiebranche weht ein scharfer Wind entgegen. Bereuen Sie Ihre Entscheidung?

Villis: Nein, die EnBW ist ein sehr gutes Unternehmen, gut im Markt positioniert, und ich bin sehr freundlich aufgenommen worden.

Das verwundert nicht, mit Utz Claassen hatten Sie eine der schillerndsten Managerfiguren als Vorgänger, der gerne polarisierte …

Da muss man fair bleiben. Claassen hatte einen ganz anderen Job, er musste sanieren, und das hat er gemacht. Jetzt kommt der nächste und für die Zukunft des Konzerns entscheidende Schritt – die strategische Positionierung des Unternehmens.

Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger?

Angesichts der Herausforderungen, vor denen wir stehen, kann natürlich nicht alles beim Alten bleiben. Zudem bin ich ein ganz anderer Typ. Ich führe anders, brauche die große Bühne nicht. Aber ich weiß, was ich will und wie ich die Menschen mitnehme. Ich bin teamorientiert und durchsetzungsstark.

Wo ist denn Ihre Handschrift schon zu erkennen?

Wir haben sehr früh in einer intensiven Klausur die Eckpunkte unserer Strategie definiert. In diesen Prozess wurden und werden auch künftig die Führungskräfte des Unternehmens systematisch eingebunden. Der Aufsichtsrat hat dann einstimmig und innerhalb einer halben Stunde unsere Mittelfristplanung und Investitionen von 7,6 Milliarden Euro bis 2010 gebilligt. Dass das so harmonisch gelaufen ist, ist wohl neu und strahlt positiv ins Unternehmen aus.

Und was ist Ihr Konzept?

Wir müssen wachsen, um im Konzert der Großen mitzuspielen. Ziel ist es, mit der EnBW in eine neue Dimension vorzustoßen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Priorität hat zunächst die Erzeugung. Dazu zählt auch der Bau des neuen Kohlekraftwerks in Karlsruhe und der Neubau des Wasserkraftwerks in Rheinfelden. Wir wollen aber auch substanziell zukaufen – im deutschsprachigen Raum, in Osteuropa und der Türkei – und wir wollen unsere Marke Yello noch intensiver am Markt positionieren. Deren Kundenzahl soll sich in diesem Jahr um rund 200 000 auf 1,6 Millionen erhöhen. Insgesamt hätte die EnBW dann 6,5 Millionen Kunden. Bis April werden wir zudem eine neue Strategie im Gasgeschäft vorlegen.

Seite 1:

„Wir können das nicht ausgleichen“

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%