Interview
Witzenmann: „Die Erbschaftsteuer muss weg“

Hans-Eberhard Koch ist Chef von Witzenmann, einem der weltgrößten Hersteller flexibler Metallelemente mit weltweit 3200 Beschäftigten. Im Interview fordert er FDP und CDU auf, die Erbschaftsteuer abzuschaffen, erklärt, warum die Debatte um Mindestlöhne ein Scheingefecht ist – und überrascht mit seiner Position zum Kündigungsschutz.

Herr Koch, in Berlin führen CDU und FDP Koalitionsverhandlungen. Was wünschen Sie sich denn von Frau Merkel und Herrn Westerwelle?

Aus der Sicht eines Industrieunternehmens hoffe ich, dass mit Schwarz-Gelb in der Regierung vor allem das gesellschaftliche Klima wirtschaftsfreundlicher wird. In den vergangenen Jahren hatte man als Unternehmer gerade im Zuge der Finanzkrise oft das Gefühl, pauschal von der Politik gescholten zu werden für die exzessiven Fehler Einzelner. Da sind gierige Spekulanten und solide Mittelständler in einen Topf geworfen worden. Daneben ist im Mittelstand das Gefühl entstanden, dass es in der Politik wie auch in der Öffentlichkeit nur wenig Verständnis für die Lage der Unternehmen gibt. Das muss sich ändern.

Abgesehen vom gesellschaftlichen Klima, was sollte die neue Bundesregierung tun, um dem Mittelstand zu helfen?

In der Industrie gibt es drei konkrete Wünsche, auf die sich die Politik bei der Unternehmensbesteuerung kurzfristig konzentrieren sollte. So müsste zum Beispiel das Thema Zinsschranke angegangen werden. Sehr viele international tätige Mittelständler werden von der Zinsschranke negativ getroffen. Als zweiten Punkt sollte der Verlustrücktrag geändert werden. Gerade in der jetzigen Krise werden sehr viele Unternehmen Verluste machen. Wenn sie diese nicht unbeschränkt zurücktragen können, dann stellt dies eine zusätzliche Belastung dar. Schließlich sollte das Erbschaftsteuergesetz neu gefasst werden - am besten wäre es natürlich, wenn die Erbschaftsteuer ganz wegfallen würde. Denn mit dem derzeit hochkomplexen Gesetzesgeflecht kommen Mittelständler und Familienunternehmen nicht zurecht. Wenn die Politik diese drei Punkte angehen würde, könnten die Unternehmen gerade in der Krise schnell und entscheidend entlastet werden.

In Berlin stehen auch Themen wie die Lockerung des Kündigungsschutzes und die Abschaffung der Mindestlöhne zur Debatte. Wie stehen Sie dazu?

Der Kündigungsschutz ist ein schwieriges Thema. Sicherlich wäre es eine Erleichterung, wenn der Kündigungsschutz bei Neueinstellungen abgeschwächt würde. Das könnte die Hemmschwelle, neue Mitarbeiter einzustellen, bei Unternehmern senken. Aber das ist ein Effekt, der sich erst bemerkbar machen dürfte, wenn der Aufschwung wieder eintritt. Eine generelle Lockerung des Kündigungsschutzes halte ich für unrealistisch und hat auch keine Priorität. Denn der Mittelstand versucht ja seine Beschäftigten in den schwierigen Zeiten zu halten, um für den kommenden Aufschwung gerüstet zu sein. Außerdem ist der Kündigungsschutz für die Gewerkschaften ein Tabu. Nur wegen des Kündigungsschutzes lege ich keinen großen Wert auf soziale Auseinandersetzungen.

Die könnten ihnen aber ins Haus stehen. Die Gewerkschaften haben bereits klar gemacht, dass sie sich nicht alles gefallen lassen werden.

Ich erwarte nicht von der neuen Regierung, dass sie keine Abenteuer eingehen wird, die die Gewerkschaften auf den Plan rufen. Die Politik wird so verantwortungsvoll handeln, wie wir das auch im Unternehmen tun. Beide Seiten wissen, was los ist und arbeiten zusammen. Wobei ganz klar ist: Gerade in der Krise dürfen beim Verhältnis zwischen Unternehmen und Gewerkschaften keine Störungen entstehen.

Das könnte aber beim Thema Mindestlöhne passieren, die die FDP gerne kassieren würde.

Das ist doch Symbolpolitik. Leider wird bei den Mindestlöhnen immer so getan, als ob dies ein Problem der gesamten Wirtschaft wäre. Das ist es aber nicht. Überwiegend gelten doch Tariflöhne. Es gibt sicherlich Branchen, in denen Mindestlöhne eine Rolle spielen, aber für die Metallindustrie etwa sind sie völlig unwichtig. Wir zahlen Tariflöhne, die weit jenseits jedweden Mindestlohns liegen.

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