Interview
Zementbranche erwartet Absatzeinbruch

In der Baubranche gab es zuletzt erste Anzeichen von Optimismus. Die Zementindustrie lässt sich davon nur bedingt anstecken. Der Ausblick der Branche für 2010 fällt verhalten aus, wie Andreas Kern vom Bundesverband der deutschen Zementindustrie dem Handelsblatt gesagt hat.

DÜSSELDORF. Die deutsche Zementindustrie sieht trotz erster Lichtblicke am Bau skeptisch in die Zukunft. „Nach dem von der Geschwindigkeit und der Intensität her ungeahnt heftigen Einbruch brauchen wir nun einen langen Atem, um wieder an das vorherige Niveau der Produktion anzuknüpfen“, sagte Andreas Kern, Präsident des Bundesverbands der deutschen Zementindustrie (BDZ) und Vorstandsmitglied von Branchenprimus Heidelberg Cement, dem Handelsblatt.

Zweistellige Rückgänge bei den Baugenehmigungen und den Auftragseingängen bereiten der Branche Sorgen. Die Zementindustrie als wichtigster Zweig der Baustoffbranche ist den Folgen der Krise stark ausgesetzt, insbesondere aufgrund ihrer Abhängigkeit von der allgemeinen Baukonjunktur, bestätigen Branchenkenner. Zurückhaltung und Skepsis kennzeichnen daher die Schätzung der Absatzentwicklung für 2009 und den Ausblick auf 2010.

Nach einer ersten Schätzung erwarten die Zementhersteller in diesem Jahr beim inländischen Zementverbrauch ein Minus von rund neun Prozent gegenüber 2008. Auch 2010 sei noch nicht mit einer „völligen Trendwende“ zu rechnen, sagte Kern. Der Zementverbrauch in Deutschland werde voraussichtlich noch einmal um rund fünf Prozent abnehmen. Lediglich im Tiefbau werde es dank der Konjunkturprogramme eine Aufwärtsentwicklung geben.

Doch gerade um die Zukunft der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur nach dem Auslaufen der Programme macht sich die Branche Gedanken. „Auch wenn der Abbau der Staatsverschuldung einen hohen Stellenwert besitzt, dürfen die öffentlichen Investitionen in die Verkehrswege nicht wieder zurückgefahren werden“, forderte Kern. Sonst drohe eine Instandhaltungskrise, die zu Lasten des Mobilitätsstandorts Deutschland gehe.

Die einzelnen Marktsegmente seien unterschiedlich betroffen und nicht unbedingt durchweg krisenbedingt schwach, räumte Kern ein – so etwa der Wohnungsbau, der schon seit längerem rückläufig ist. Der Bau von Eigenheimen und auch von Geschosswohnungen wird nach Schätzung des Verbands in diesem Jahr erneut um sieben bis acht Prozent schrumpfen. Langfristige demografische Effekte verbinden sich laut Kern hier mit Vertrauensverlusten in den Immobilienmarkt und in die Sicherheit von Arbeitsplätze und Einkommensniveau. Vor allem für den geschwächten Mietwohnungsbau sieht die Branche politischen Handlungsbedarf.

Der Einbruch im Wirtschaftsbau sei das Resultat konjunktureller Entwicklungen, so Kern. Wegen der Investitionszurückhaltung im produzierenden Gewerbe belief sich der Einbruch der Genehmigungen bei Industriegebäuden von Januar bis Juli auf rund 30 Prozent. Stabiler präsentierte sich der Tiefbau, der von den Konjunkturprogrammen, wie für den Bau neuer Straßen, profitiert.

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