Interview
„Zuerst geht es in China wieder los“

Heinrich Weiss, Chef des Anlagenbauers SMS Group, lehnt Staatshilfen für Privatunternehmen mit Blick auf die diskutierten Hilfen für Schaeffler und Opel rigoros ab. Im Handelsblatt-Interview nennt der Familienunternehmer die Gründe, warum er einen Schutzschirm für Unternehmen ablehnt, spricht über das Krisenmanagement der Bundesregierung und die Chancen in der Krise und erklärt, wo die Wirtschaft sich als erstes wieder erholen wird.

Handelsblatt: Herr Weiss, Sie sind als Unternehmer seit 40 Jahren aktiv. Ihr Expertentipp: Wie lange wird die Krise dauern?

Heinrich Weiss: Wir alle wissen es nicht. Wie meine Unternehmerkollegen auch habe ich eine solche Krise noch nie erlebt. In den ersten acht Monaten 2008 haben wir so viele Aufträge wie noch nicht gehabt, mehr als 2007 insgesamt, das schon ein Rekordjahr war. Ab September haben wir dann kein einziges größeres Projekt mehr realisieren können. Früher wurden schlechte Auftragseingänge in einigen Ländern durch gute aus anderen Regionen ausgeglichen.

Und hat sich die Lage seither noch verschlimmert, wurden Aufträge storniert?

Bisher gibt es im Wesentlichen nur Verschiebungen von bis zu sechs Monaten, damit können wir noch leben. Nach der Höchstkonjunktur der vergangenen Jahre gibt uns das sogar ein wenig Luft zum Atmen. Stornierungen hatten wir bisher nicht, aber wenn sich die Lage unserer Kunden weiter verschlechtert, ist auch das nicht ausgeschlossen.

Sehen Sie den Tiefpunkt der Krise schon erreicht?

Wir wissen es nicht. Die Industrialisierung der Welt wird aber weitergehen. Eine zehnjährige Stagnationsphase wie in den neunziger Jahren in Japan erwarte ich nicht für das globale Investitionsgütergeschäft.

Wie stellen Sie sich auf die Flaute ein?

Wir haben bei SMS immer sehr konservativ bilanziert und ausreichende Liquidität vorgehalten, das heißt uns nicht von Banken abhängig gemacht. Mit diesen Reserven werden wir eine längere Durststrecke überleben können. Natürlich sind wir auch dabei, alle betrieblichen Abläufe zu optimieren.

Was heißt das für die Beschäftigung?

Die Ingenieurabteilungen sind für das volle Jahr 2009 weitgehend beschäftigt und die Fertigung bis Ende 2010. Die Kapazität unserer Stammbelegschaft ist so dimensioniert, dass wir auch mit achtzig Prozent des durchschnittlichen Auftragseingangs noch voll beschäftigt sind. Bei höherem Auftragsvolumen arbeiten wir verstärkt mit externen Ingenieurbüros und Fertigungswerkstätten nach dem japanischen Prinzip der „verlängerten Werkbank“.

Und wenn es noch schlimmer kommt?

Dann werden wir unsere Ingenieure mehr mit technischen Neuentwicklungen beschäftigen, um nach der Krise noch konkurrenzfähiger zu sein. Aus dem gleichen Grund haben wir auch unsere Investitionen in die Werkstätten im laufenden Jahr verdoppelt, weil wir dazu keine Kredite benötigen und man jetzt billiger einkaufen kann. Unsere große Maschinenbauwerkstatt im Siegerland werden wir mit einem Budget von circa 100 Millionen Euro in den nächsten Jahren komplett erneuern und für die Zukunft ausrüsten.

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