Investieren in die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen den Aids-Erreger
HIV-Pillencocktails versprechen sprudelnde Pharmaumsätze

Da auch gut zwei Jahrzehnte nach dem Ausbruch der Infektionskrankheit noch keine Schutzimpfung gegen Aids in Sicht ist, haben Pharmakonzerne wie Glaxo Smithkline und Roche ihr Forschungsengagement in diesem Bereich verstärkt.

FRANKFURT/M. Der tägliche Griff zum Pillencocktail verbessert die Überlebensaussichten von HIV-Infizierten dramatisch – und sichert den Herstellern der Präparate damit immer wiederkehrende Umsätze.

Vor wenigen Monaten erteilten die Zulassungbehörden Roche Pharma zuerst in den USA und dann in Europa die Genehmigung für Fuzeon, ein Medikament, das eine neue Wirkstoffklasse in der HIV-Therapie darstellt. Studien lassen darauf hoffen, dass die Neuentwicklung die bei Langzeitpatienten auftretende Resistenz gegen die bisher eingesetzten Präparate überwinden helfen. Umsatzpotenzial für Fuzeon: bis zu 680 Mill. Euro.

Eine Heilung gibt es für HIV-Infizierte nach wie vor nicht, doch der Ausbruch der tödlichen Krankheit lässt sich durch antivirale Medikamente oft für Jahre hinauszögern. Gelingt es, das körpereigene Immunsystem stabil zu halten, kann der Patient weitgehend normal leben – abgesehen von den teilweise starken Nebenwirkungen der Medikamente. Da ein einzelnes Präparat in der Regel nicht ausreicht, um die Zahl der für Aids verantwortlichen Retroviren im Körper auf Dauer gering zu halten, werden HIV-Infizierte seit Mitte der neunziger Jahre mit der Kombinationstherapie behandelt.

Für die in der Fachsprache „Haart“ genannte hochaktive antiretrovirale Therapie werden zwei oder mehrere Medikamente verabreicht, die das tückische Virus in verschiedenen Stadien seines Reproduktionszyklus behindern. Die Zahl der jährlichen Todesfälle durch Aids in Deutschland hat sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts seit der Einführung dieser Therapieform Mitte der neunziger Jahre bei einer konstanten Zahl von Neuinfektionen von 2 000 auf 600 reduziert.

Für die Pharmaindustrie, die jede Neuentwicklung im Schnitt mit Einkünften von mindestens 750 Mill. Euro finanzieren muss, macht diese Verlängerung der individuellen Lebenszeit die HIV-Patienten zu einer betriebswirtschaftlich interessanten Zielgruppe. Das gilt umso mehr, weil die gleichzeitige Einnahme mehrerer Präparate stabile Absätze für mehrere Hersteller verspricht.

Doch das Geschäft mit der Behandlung der Immunschwäche-Erkrankung birgt auch Risiken. Peter Spengler, Wertpapieranalyst bei der DZ-Bank, weist darauf hin, dass die Preise der auf dem Markt erhältlichen Präparate zusehends unter Druck geraten. Das gelte insbesondere für die Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen soziale Initiativen oder die Regierungen versuchten, die Preise mit humanitären Argumenten zu senken. Das habe beispielsweise Roche mit seinen HIV-Präparaten Viracept und Invirase bereits zu spüren bekommen.

Trotzdem sind die Entwicklungspipelines gut gefüllt mit Produktkandidaten, die dem Immunschwächevirus das Leben schwer machen sollen. Der US-Verband der forschenden Pharmafirmen (Phrma) zählt auf seiner Website 26 in der Entwicklung befindliche Wirkstoffe auf. Allein Glaxo Smithkline, dessen HIV-Medikament Epivir Ende 2002 zugelassen wurde, hat derzeit noch vier weitere HIV-Produktkandidaten in der Entwicklung.

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