Investitionen
Chinesen gehen in Deutschland auf Einkaufstour

Den Gabelstaplerhersteller Kion kauft ein chinesischer Baumaschinenkonzern. Damit gehen immer mehr heimische Firmen an Investoren aus dem Reich der Mitte. Und das Kaufinteresse der Chinesen ist erst erwacht.
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Düsseldorf/FrankfurtChinesische Investoren greifen zunehmend nach deutschen Firmen. Jüngstes Beispiel: Der chinesische Baumaschinenproduzent Shandong Heavy Industry will beim Gabelstaplerhersteller Kion (Hauptmarken Linde und Still) einsteigen. Der Wiesbadener Konzern gehörte bis zum Jahr 2006 dem Industriegasekonzern Linde. Nach Handelsblatt-Informationen aus Verhandlungskreisen soll der Vertrag Ende des Monats unterzeichnet werden. Das gesamte Transaktionsvolumen soll bis zu 700 Millionen Euro betragen und es wäre damit die bislang größte Investition aus China in Deutschland.

Die Offerte ist damit der vorläufige Höhepunkt einer Einkaufstour chinesischer Unternehmen in Deutschland. Erst vor wenigen Monaten hatte der chinesische Konzern Sany den Betonpumpenherstellers Putzmeister vollständig für gut 320 Millionen Euro übernommen. Auch beim Mitbewerber Schwing, dem Autozulieferer Kiekert und dem Solarspezialisten Sunways aus Konstanz griffen Investoren aus dem Reich der Mitte zu.

Die mögliche Übernahme von Kion durch Shandong Heavy Industry könnte nur der Anfang einer Übernahmewelle durch chinesische Unternehmen sein. Der Mischkonzern ThyssenKrupp will Kreisen zufolge seine Tochter Tailored Blanks an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) verkaufen.

Das Transaktionsvolumen chinesischer Zukäufe im Ausland schwillt bereits deutlich an. Im ersten Halbjahr 2012 erreichten angekündigte Übernahmen und Beteiligungen in anderen Ländern rund 23,9 Milliarden US-Dollar, während es im Vorjahreszeitraum nur 7,9 Milliarden waren, wie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) berichtete. Fast 70 Prozent flossen in die Bereiche Energie und Rohstoffe.

„Die anhaltend schwache Konjunktur in den USA und Europa hat die Rohstoffpreise sinken lassen und damit auch die Marktbewertung vieler Branchenunternehmen gedrückt“, sagte Jens-Peter Otto, Leiter der China Business Group bei PwC. „Für chinesische Investoren hat diese Entwicklung günstige Kaufgelegenheiten eröffnet.“

Mit der Abschwächung des Wachstums auch in China verlangsamten sich die Übernahmen und Beteiligungen im Reich der Mitte selbst aber deutlich. Strategische Investoren schlossen im ersten Halbjahr 1 340 Transaktionen mit einem Umfang von 45,6 Milliarden US-Dollar ab. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 1 837 Geschäfte und 62 Milliarden US-Dollar, wie PwC berichtete.

Ausländische Investoren beteiligten sich nur noch mit 4,1 Milliarden US-Dollar an chinesischen Unternehmen - ein Rückgang um fast 50 Prozent. Auch Private-Equity-Fonds und andere Finanzinvestoren hielten sich deutlich zurück. Sie hofften auf fallende Kaufpreise durch das langsamere Wirtschaftswachstum.

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  • Bezugnehmend zu Kommentar von Herrn Sonnleitner, dieser sogenannte chinesische Investor, ein Hersteller von Baumaschinen weiss genau was er macht ... es wir dem Investor nicht nur um die Gabelstaplersparte gehen. Seit Jahrzehnten entwickelt ein Geschäftsbereich der KION Group erfolgreich effiziente elektirsche und hydraulische Antriebstechnik mit einer enormen Anzahl an sog. Unique Selling Points. Dieses Know-How (wie oben erwähnt, Management-/Ingenieurwissen) wird ausreichen um dem Wettbewerb wie den drei "Gelben Giganten' der Sparte (Liebherr, Volvo und vor allem Caterpillar) die Stirn zu bieten. Ich fasse zusammen und greife von oben auf, da sind keine D.... unterwegs!



  • Was hat denn ein Gabelstapler Hersteller an wertvollen Know-How zu bieten?

    Linde hat diese Sparte damals verkauft, um Geld für die BOC Übernahme einzukassieren. Mit dem Kauf von BOC stieß Linde an die Weltspitze vor. Die Briten haben dadurch ihren größten Gasehersteller verloren. BOC verfügte sogar über einen höheren Börsenwert als Linde.

    Wenn die Chinesen nun den Finanzinvestoren Kion abkaufen, können sie das. Ebenso kann sich auch ein deutsches Unternehmen dafür finden. Es scheint aber niemand interessiert zu sein.

    Ich spreche nicht für die Chinesen, sondern will möglichst neutral den Sachverhalt schildern.

    Denken Sie auch daran, dass deutsche Firmen gute Geschäfte mit China machen und dort viel Geld verdienen.

    Das man der chinesischen Industrie mit Vorsicht gegenübertreten sollte, dürfte mittlerweile auch jeder deutsche Industrielle und Firmeninhaber wissen.

    Auch deutsche Firmen übernehmen ausländische Konkurrenten.

    Mal sehen, ob Siemens Ansaldo übernimmt. Ich würde es Siemens wünschen.

    China ist auch auf den Westen angewiesen. Läuft dort nichts und es gibt keine Nachfrage, bricht auch in China deren Export und Industrie ein.

    Ich sehe die derzeite Entwicklung der Globalisierung mit großer Sorge.

    Man sollte sich wirklich mehr auf nationale Befindlichkeiten kümmern und diese pflegen.

    Das hat Biederkeit und Spießigkeit überhaupt nichts zu tun.

    Ich will auch keine Massensalami mehr aus dem sterilen Supermarkt.
    Der Einkauf beim Bauern oder dem kleinen Krämerladen vor Ort sollte entsprechende Aufmerksamkeit entgegengebracht werden.
    Es gibt sicherlich genügend Menschen, welche andere Wertvorstellungen haben. Nur scheint es so, als dürfe man diese nicht ausleben, weil uns die Möglichkeit dazu nicht gegeben wird. Und dagegen sollte man angehen.



  • @Pro-D:

    Die Chinesen sind keine Deppen. Sie haben seit Jahren nur MINDERHEITSBETEILIGUNGEN an westliche Investoren gewährt - und immer schön unter den Auflagen, gefälligst auch die wertvolle Forschung vor Ort zu installieren, die natürlich von der Mannschaft vor Ort aufgenommen und künftig (eigenständig) weiterentwickelt wird.

    Es ist halt ein großes Ungleichgewicht: Die Chinesen geben nur sehr, sehr bewusst wohldosierte Minderheitsanteile der Macht ab - während wir in Deutschland ein völlig gestörtes Verhältnis zur Macht haben und für paar Mark fuffzig gerne mal die Mehrheit hergeben.

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