Investitionen in US-Raffinerie
Shell wettet Milliarden auf steigende Ölpreise

Obwohl die USA jeden Tag eine Million Barrel Benzin importieren, stammt der letzte Neubau einer US-Raffinerie aus dem Jahr 1976. Explodierende Kosten ließen die Konzerne davor zurückschrecken, neue Anlagen zu errichten. Doch nun wagt sich Shell als erster der Big-Oil-Riege aus der Deckung.

PORT ARTHUR. Royal Dutch Shell setzt auf langfristig hohe Ölpreise. Mit der größten Investition seit Jahrzehnten bricht der britisch-niederländische Ölkonzern mit dem Branchendogma, mittelfristig werde der Ölpreis wieder auf 50 Dollar sinken. Ein Joint-Venture von Shell und der saudischen Staatsfirma Saudi Aramco steckt sieben Milliarden Dollar in den Ausbau einer Raffinerie in Port Arthur (Texas).

Durch die Megainvestition wird die Anlage zur größten Raffinerie der USA. Die Kapazität verdoppelt sich ab 2010 auf 600 000 Barrel Öl pro Tag. „Die Nachfrage in den USA nach Benzin, Diesel und Flugkraftstoffen steigt schneller als die Kapazitäten der Branche“, begründete Shell-Raffinerievorstand Rob Routs die Entscheidung. „Bereits heute liegt der Import von Benzin bei einer Million Barrel pro Tag.“

Die Entscheidung von Shell markiert einen Meilenstein. Die USA, der größte Benzinverbraucher der Welt, wird mehr und mehr abhängig von Importen aus dem Ausland. Mangelnde Kapazitäten in Raffinerien, die Öl zu den verschiedenen Benzin- und Diesel verarbeiten, gelten als Hauptgrund für den ständigen Preisanstieg. Trotzdem liegt der letzte Neubau einer US-Raffinerie 31 Jahre zurück.

„In den US-Gemeinden gilt das Prinzip: Raffinerie ja, aber bitte nicht hier“, sagt ein Sprecher des US-Konzerns Exxon-Mobil. Hohe Umweltauflagen, jahrelange Genehmigungsverfahren und Verzögerungen durch Einsprüche vor Gericht machten den Bau neuer Anlagen unkalkulierbar.

Hinzu kommt die Furcht vor hohen Kosten und einer Umkehr der Ölpreisentwicklung. Bei Raffinerien liegt allein die Bauzeit bei drei bis fünf Jahren. Trotz Rekordgewinnen sind die Ölkonzerne seit Jahren unsicher, ob die paradiesischen Zustände anhalten. „Die Industrie ging immer davon aus, dass der Weltbedarf an Öl seinen Höhepunkt bei 70 Millionen Barrel pro Tag erreicht. Alles darüber galt als abnormal“, sagt Matthew Simmons, Investmentbanker und Ölexperte in Houston. Deshalb habe die Branche seit Ewigkeiten keine wesentlichen Kapazitäten aufgebaut. Inzwischen nähert sich der Verbrauch der Marke von 90 Millionen Barrel pro Tag.

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