Investitionen
Ölkonzerne vertrauen auf Nachfrage

Die führenden westlichen Ölkonzerne sind trotz Rezession und niedriger Preise optimistisch und steigern ihre Investitionen. Die Zeit der Rekordgewinne scheint vorerst vorbei zu sein. BP musste sogar einen Verlust im vergangenen Quartal ausweisen - und lässt sich trotzdem nicht vom Kurs abbringen

LONDON. Trotz Verlusten im vergangenen Quartal gehen die führenden westlichen Ölkonzerne mit vollen Kassen und breiter Brust in die Rezession. „Wir haben eine sehr starke Bilanz und können die gegenwärtigen Belastungen aushalten“, fasste BP-Chef Tony Hayward gestern die Stimmung in der Branche zusammen. Die vor einem halben Jahr vorausgesagte Zukunft mit einer starken Energie-Nachfrage aus den neuen Industriestaaten sei nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Wie andere Ölmultis auch denkt BP deshalb nicht daran, seine Investitionen in neue Öl- und Gasvorkommen zu reduzieren. Das wäre auch fatal, denn die Produktion der führenden Konzerne ist – mit Ausnahme von BP – 2008 weiter geschrumpft.

„Wir müssen durch den Abschwung hindurch investieren, sonst fehlt es im anschließenden Aufschwung an Energie“, warnte Hayward bei der Präsentation der Jahreszahlen. „Die Ölindustrie hat gelernt, sich nicht zu sehr von den täglichen Preisschwankungen lenken zu lassen.“ Auch Exxon-Chef Rex Tillerson hatte am Freitag gesagt, er werde durch diesen Abschwung hindurch an der langfristigen Investitionsstrategie festhalten. Hayward hofft, dass der Ölpreis bald wieder über 60 Dollar je Barrel (159 Liter) steigt. Andernfalls sei zu befürchten, dass die Opec-Staaten nicht genug investierten. Sie brauchten Preise von 60 bis 80 Dollar, um ihre Staatshaushalte auszugleichen und gleichzeitig Geld für Öl-Investitionen zu haben. Preise von gut 60 Dollar seien auch für die Konsumenten akzeptabel.

BP kündigte an, im laufenden Jahr 20 bis 22 Mrd. Dollar in neue Öl- und Gasprojekte zu investieren. Das läge auf oder knapp unter dem Vorjahresniveau. Weltmarktführer Exxon hatte am Freitag eine Erhöhung der Investitionen von 26 auf 30 Mrd. Dollar angekündigt, die Nummer zwei Royal Dutch Shell will die Investitionen ohne Zukäufe von 30 auf bis zu 32 Mrd. Dollar erhöhen. Analysten sagten, das zeige, dass die großen Ölkonzerne bereit seien, die Chancen zu nutzen, die sich aus sinkenden Preisen ergäben. Auch eine Welle von Akquisitionen halten sie für wahrscheinlich.

In der Branche wurde zuletzt sogar über einen Zusammenschluss zweier Öl-Multis, etwa die Übernahme eines der europäischen Konzerne durch Exxon, spekuliert. Doch einer solchen Mega-Fusion erteilte Hayward gestern eine Absage. Wenn sich zwei Unternehmen mit einer Produktion von je vier Millionen Barrel am Tag zusammentäten, werde es noch schwerer, in Zukunft zu wachsen, warnte er. „Die industrielle Logik scheint mir nicht verlockend.“

Den führenden Konzernen der Branche ist es in den vergangenen Jahren trotz enormer Investitionen nur selten gelungen, ihre durchschnittliche Tagesproduktion zu steigern. Der natürliche Produktionsverfall in älteren Ölquellen erweist sich als immer größeres Problem, die Erschließung neuer Quellen wird technisch immer aufwändiger. Bei Exxon sank die Produktion 2008 um sechs Prozent, beim zweitgrößten US-Ölkonzern Chevron um drei und bei Shell um zwei Prozent. Nur BP gelang ein bescheidenes Plus von einem halben Prozent. Dem stand ein gemeinsamer Investitionsaufwand von gut 100 Mrd. Dollar gegenüber.

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