Investitionen: Ölmultis investieren in Aktien statt in Zukunft

Investitionen
Ölmultis investieren in Aktien statt in Zukunft

Mehr als 70 Milliarden Dollar haben die fünf größten Ölkonzerne allein im ersten Halbjahr 2008 verdient. Doch während die Unternehmen im Geld schwimmen, passiert etwas Sonderbares: Die Produktion geht zurück, die Investitionen in erneuerbare Energien bleiben auf minimalem Niveau. Profitieren können von diesem Spiel nur die Aktionäre – und mit ihnen auch die Ölvorstände selbst.

DÜSSELDORF. Die von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilenden Ölkonzerne haben die strategischen Chancen der vergangenen Jahre weitgehend ungenutzt gelassen. Sie steckten ihre Profite nicht in den Ausbau der Förderung, sondern in den Kauf eigener Aktien. Allein die fünf weltgrößten Ölkonzerne Exxon-Mobil, BP, Royal Dutch Shell, Chevron und Conoco-Phillips erwarben zwischen 2005 und 2008 eigene Aktien für mehr als 200 Mrd. Dollar. Im selben Zeitraum gaben sie weniger als 40 Mrd. Dollar für die Exploration neuer Quellen aus.

Wirtschaftsexperten werfen den Konzernen deshalb eine eindimensionale Ausrichtung auf die Interessen der Aktionäre und die Vernachlässigung von Zukunftsinvestitionen vor. „Die Konzerne verdanken den hohen Ölpreisen ungeheure Sondereinnahmen. Und statt diese Profite in den Energiesektor zu investieren, wurden sie zur Stützung des Aktienkurses verwandt“, kritisiert Robert Mabro vom Oxford Institute for Energy Studies.

Auch Paul Cheng, Energieexperte der Investmentbank Barclays, zweifelt an der Strategie der Ölkonzerne. Die größten Rückkaufprogramme würden immer dann durchgeführt, wenn es den Unternehmen besonders gutgeht und ihre Aktienkurse entsprechend hoch notieren. Es bestehe deshalb der Systemfehler, dass mit diesen Käufen stets der geringste mögliche Effekt erzielt werde. Chengs These wird aktuell bestätigt: In den vergangenen Monaten sind die Aktienkurse trotz der Stützungsmaßnahmen zwischen 20 und 50 Prozent gefallen.

Die Ölkonzerne verteidigen ihre Aktienkäufe. Ein Sprecher von Exxon-Mobil sagt, sein Unternehmen „deckt erst die Kosten, zahlt Steuern und investiert in alle Projekte, die unseren Kriterien entsprechen. Erst dann schauen wir nach, wie viel Geld übrig ist, und reichen einen angemessenen Teil an unsere Aktionäre weiter.“ 2007 lag dieser Teil allein bei Exxon-Mobil bei 30 Mrd. Dollar – zusätzlich zu den 7,6 Mrd. Dollar Dividende.

Seite 1:

Ölmultis investieren in Aktien statt in Zukunft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%