
SAN FRANCISCO. Volkswagen hat es nicht leicht in den USA, dem neben China wichtigsten Automarkt der Welt. 1955 starteten die Wolfsburger dort mit einer eigenen Tochter, verdienten jahrzehntelang prächtig. 1988 jedoch mussten sie sich wegen einer verfehlten Modellpolitik und Wechselkursproblemen mit hohen Verlusten aus der Produktion in den USA verabschieden.
Jetzt kehrt VW mit Macht nach Nordamerika zurück. Das Montagewerk in Chattanooga/Tennessee ist fast fertig. Flankiert wird die Offensive in den USA mit dem Bau eines Motorenwerks im Dollarraum. Die Mexikaner dürfen sich schon freuen. Denn im Norden Mexikos baut VW aller Voraussicht nach das Werk, das die Fertigungsstätten in Nordamerika mit Motoren versorgen soll. „Im September müssen wir damit starten“, sagte VW-Motorentwicklungschef Wolfgang Hatz dem Handelsblatt am Rand der Vorstellung des Hoffungsträgers Jetta in San Francisco. Das Land kennen die Wolfsburger gut: Bis 2003 fertigten sie dort den Käfer, und der ist noch immer ein Kultauto in Mexiko.
Die Herstellung im Dollar-Raum soll den Konzern unabhängiger von den Schwankungen des Dollar-Kurses machen. Denn für Volkswagen ist der Erfolg in den USA entscheidend. Schließlich wollen die Wolfsburger im Jahr 2018 Toyota überholen. Für die Japaner sind die USA wichtigster Auslandsmarkt, dort wird der Kampf um die Krone der Automobilindustrie entschieden. Bis dahin muss VW raus aus dem Nischendasein in den USA, das weiß auch Konzernchef Martin Winterkorn, der seit Montag mit seinen Topmanagern durch das Land tourt. Für die marketingverliebten Amerikaner hat er Volkswagens Ambitionen in einer Botschaft verpackt: „This time it’s for real.”
Investitionen in Milliardenhöhe
Die neue Fabrik soll ab 2013 die beiden Produktionsstätten mit spritsparenden VW-Motoren der neuesten Generation versorgen. Die beiden Montagewerke stehen in Puebla, Mexiko, wo der Jetta gebaut wird, und Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee, wo nach Fertigstellung 2011 eine Limousine in Passat-Größe gefertigt wird.
Hatz zufolge sind für das neue Motorenwerk zwei Standorte in der Endauswahl. „Die USA sind noch dabei, aber es läuft auf Nordmexiko hinaus“, sagte der VW-Manager. Die Gremien des Konzerns wollen sich bald festlegen, um im Zeitplan zu bleiben. Bislang hieß es lediglich, Mexiko sei eine denkbare Option.
Volkswagen kostet der erneute Angriff im Sorgenmarkt USA, wo der Konzern seit Jahren Milliarden verbrennt, viel Geld. Mehr als vier Mrd. Dollar gebe der Konzern alles in allem für Forschung und Entwicklung, neue Modelle und die Fabrik in Chattanooga aus, sagte der operative US-Chef Mark Barnes.