Investitionsrisiko: Lateinamerika ist für Endesa ein unsicheres Pflaster geblieben

Investitionsrisiko
Lateinamerika ist für Endesa ein unsicheres Pflaster geblieben

Eon begründet seine Übernahmepläne für Endesa auch mit dem starken Engagement des spanischen Energiekonzerns in Lateinamerika. Dort seien die Wachstumsraten mit durchschnittlich fünf Prozent mehr als doppelt so hoch wie in Europa. Außerdem seien die rechtlichen Rahmenbedingen stabil, die Risiken überschaubar.

SÃO PAULO Diese Aussage gilt in der Region allerdings nur bedingt, Südamerika kann keine stabilen Renditen garantieren. Endesa reagiert darauf sogar mit einer Kürzung der Investitionen.

Der Konzern hat in Südamerika etwa sieben Milliarden Euro investiert, viel Geld ist dafür bislang allerdings nicht zurückgeflossen. Seit 2001 belasteten die Währungskrisen in Brasilien und Argentinien massiv die Endesa-Bilanz. Erst im Jahr 2005 steuerten die Töchter in Chile, Argentinien, Peru, Brasilien und Kolumbien 113 Millionen Euro zum Konzerngewinn bei. Immerhin erzeugt Endesa in Südamerika knapp ein Drittel seines gesamten Stroms (14 000 Megawatt).

Nach dem Ende der Währungskrisen haben sich die Aussichten in der Region wieder gebessert. Vergangenes Jahr produzierten die Endesa-Töchter in Südamerika 5,1 Prozent mehr Energie – bei einer hohen Rentabilität. Raimundo Valdés von der Bank Santander schätzt die operative Rendite von Endesa etwa für dieses Jahr auf 40 Prozent. Da sich das Wachstum Lateinamerikas auch in den nächsten Jahren bei rund vier Prozent halten dürfte – so prognostiziert etwa die UBS – könnten Endesas Gewinne auch künftig in Südamerika wachsen. Zumal der Konzern in Südamerika seine Verschuldung stark reduziert hat. Valdes prognostiziert in diesem Jahr einen Nettogewinnzuwachs von 40 Prozent auf 200 Millionen Dollar.

Dennoch ist das politische Risiko in Südamerika weiterhin nicht zu unterschätzen – und keinesfalls überschaubar. Das gilt besonders in Argentinien, wo der Endesa-Konzern seit fast drei Jahren keine realen Tariferhöhungen mehr durchsetzen konnte. Immerhin besitzt Endesa in dem südamerikanischen Land Kraftwerke mit einer Kapazität von 4 500 Megawatt und bedient 2,1 Millionen Kunden.

Die Regierung in Buenos Aires hat zwar für dieses Jahr neue Tarifverhandlungen in Aussicht gestellt – doch auf die Regierung des populistischen Präsidenten Nestor Kirchner ist wenig Verlass. Kirchner hat in den vergangenen Jahren oft genug bewiesen, dass er Unternehmensinteressen ignoriert, wenn ihm das Popularität in der Bevölkerung verschafft.

Auch von den Streitereien zwischen Argentinien und Chile ist Endesa betroffen: So stoppte der argentinische Präsident im vergangenen Winter kurzfristig die Gaslieferungen nach Chile und legte damit die Stromerzeugung in Heizkraftwerken lahm.

Positiv entwickeln sich dagegen die Aktivitäten in Kolumbien, Peru und Brasilien: In Brasilien profitierten die regionalen Endesa-Töchter Ampla und Coelce von den kürzlich beschlossenen Tariferhöhungen und sind zu wichtigen Profitbringern im Konzern geworden. Auch in Kolumbien und Peru ist das Wachstum stabil. Dennoch zeigt sich vor allem in Brasilien, dass auch in einem politisch stabilen Umfeld die Währungsrisiken hoch sind. Die Aufwertung des Real in den vergangenen zwölf Monaten um 25 Prozent belastet die Endesa-Ertragsrechnung.

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