Investment-Unternehmen vor dem Aus
Windhorst-Firma Vatas geht die Puste aus

Die Berliner Beteiligungsgesellschaft Vatas hat Insolvenz angemeldet. Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg sagte, ein Sanierungsplan für Vatas sei nach einer Klage der Norddeutschen Landesbank (NordLB) gescheitert. Das Unternehmen macht die Finanzkrise verantwortlich.

DÜSSELDORF. Die von Lars Windhorst geführte Investmentfirma Vatas Holding GmbH hat beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz angemeldet. Wie ein Vatas-Sprecher dem Handelsblatt bestätigte, liegt das weitere Geschick des Berliner Unternehmens nun in den Händen des vorläufigen Insolvenzverwalters Rüdiger Wienberg.

Als Grund nannte Vatas die weltweite Finanzkrise: „Wir haben trotz der epochalen Verwerfungen an den Finanzmärkten in den letzten Monaten kontinuierlich daran gearbeitet die Situation zu stabilisieren, mussten aber wie viele andere Marktteilnehmer aufgrund sich wöchentlich verschlechternder und veränderter Bedingungen Insolvenz anmelden.“

Lars Windhorst (32) galt in den 90er Jahren als Wunderkind der deutschen Wirtschaft. Schon mit 15 sorgte er mit seiner Computerfirma für Schlagzeilen und reiste gemeinsam mit Bundeskanzler Helmut Kohl und hochrangigen Wirtschaftsvertretern durch Inland und Ausland. Das Platzen der Internetblase sowie Managementfehler führten jedoch zum Komplettabsturz. 2004 musste Windhorst gleich für mehrere seiner Firmen Insolvenz anmelden, später folgte auch noch eine Privatinsolvenz. Windhorsts Gläubiger, die auf 63 Mio. Euro warteten, erhielten weniger als zwei Prozent ihrer Forderungen.

Während einige der Gläubiger gegen Windhorst klagten, gaben ihm andere erneut Geld. Als erster Starthelfer für das gefallene Wunderkind gilt der südafrikanische Geschäftsmann Rob Hersov, der Windhorst an die Spitze seiner Investmentfirma Vatas setzte.

Sein Mut wurde belohnt. Wie Hersov und andere Geschäftspartner von Windhorst bestätigten, betätige sich der immer noch junge Manager seit 2004 mit großem Erfolg und bescherte ihnen hohe Renditen. Selbst erfahrene Unternehmer wie Winfried Kill (Indus) zeigten sich beeindruckt von Windhorsts internationalen Kontakten. Seit 2004 hat Windhorst Investments von mehr als einer Milliarde Euro organisiert.

2008 allerdings kam zu einem erneuten Einbruch. Im Juni verklagte ein Geschäftspartner, der Finanzinvestor Audley Capital, Vatas erfolgreich auf 29 Mio. Euro. Einen Gläubigerantrag auf Insolvenz und eine Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung konnte Windhorst aber abwenden.

Nun bringt eine andere Klage das Aus. Die NordLB verlangt von Vatas 150 Mio. Euro Schadenersatz. Die Bank behauptet, sie habe im Auftrag eines Kunden Aktien im Wert von 234 Mio. Euro bestellt. Dieser Kunde habe die Aktien dann jedoch nicht abgenommen. Die NordLB hat die Identität des Kunden nie genannt, jedoch auch nie bestritten, dass es sich um Vatas handelt.

Aus Finanzkreisen heißt es, die Bank habe jahrelang gut mit Windhorst zusammengearbeitet, und sich erst beschwert, als die Kurse fielen. Händler der NordLB sollen sogar auf Zuruf von Windhorst Aktienpakete gekauft haben.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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