Investmentbank bewertet Förderfirma des russischen Ölkonzerns überraschend niedrig
Staat verkauft Teile von Yukos-Tochter

Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) hat den Wert der wichtigsten Yukos-Fördereinheit, Yuganskneftegaz, mit 10,4 Mrd. Dollar überraschend niedrig bewertet. Analysten und Moskauer Medien hatten mit einer Bewertung zwischen 15,7 und 17,3 Milliarden Dollar gerechnet.

mbr MOSKAU. Die Aktien des angeschlagenen Ölkonzerns Yukos sind am Dienstag abgestürzt, nachdem das russische Justizministerium einen Teilverkauf von Fördertöchtern bekannt gegeben hat. Die wichtigste Yukos-Fördereinheit Yuganskneftegaz fördert rund 60 Prozent des Öls des Gesamtkonzerns, der Russlands größter Erdölexporteur ist. Yukos muss bislang Steuern und Strafen in Höhe von etwa 8,5 Mrd. Dollar für die Jahre 2000 und 2001 nachzahlen. Davon sind noch etwa fünf Mrd. Dollar nicht beglichen.

„Nachdem die Bewertung für Yuganskneftegaz erfolgt und die Zeit für die Steuernachzahlung verstrichen ist, wird das Justizministerium jetzt Unternehmensteile durch das staatliche Amt für Vermögensverwaltung veräußern“, teilte die Behörde gestern mit. Daraufhin stürzten die Yukos-Papiere in der Spitze um 16 Prozent ab. „Der genannte Wert ist sehr niedrig“, kritisierte Iwan Masalow, Fondsmanager bei Prosperity Capital in Moskau, die Bewertung von Yuganskneftegaz. Den Betrag habe ein Käufer schon in zwei Jahren wieder raus.

Die US-Ölschätzungsfirma DeGolyer und MacNaughton hatte allein die Rohölreserven von Yuganskneftegaz mit 30,4 Mrd. Dollar bewertet. Die Firma fördert mit einer Million Barrel (je 159 Liter) täglich soviel wie das Opec-Mitglied Libyen. DKW wollte gestern nur bestätigen, dass es den Auftrag des russischen Justizministeriums ausgeführt und den Wert von Yuganskneftegaz ermittelt habe. Der entsprechende Report sei der Behörde übergeben worden, zum genannten Preis könne man wegen der Schweigepflicht nichts sagen.

Konkurrenten warfen der Alli- anz-Tochter DKW vor, dem Kreml mit einer niedrigen Bewertung der Yukos-Tochter einen Gefallen tun zu wollen. Denn zu einem Preis von mehr als 15 Mrd. Dollar dürfte der russische Staat nach Analysten-Meinungen keinen Käufer für Yuganskneftegaz finden: Russische Firmen haben nicht soviel Geld und ausländische Konzerne dürften zu der Auktion nicht zugelassen werden. Zudem stellt der Kauf der Yukos-Tochter ein erhebliches juristisches Risiko dar, weil Klagen von die Yukos- Mehrheitsaktionären drohen.

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