Investmentfonds wollen ihre Anteile so teuer wie möglich verkaufen
Procter & Gamble kämpft mit Wella-Aktionären

Der Streit zwischen dem US-Konzern Procter & Gamble (P&G) und den Minderheitsaktionären des Darmstädter Kosmetik-Konzerns Wella geht in einen neue Runde. P&G hält zwar bereits 99 Prozent der stimmberechtigten Wella-Aktien, doch freie Hand hat der US-Riese bei Wella damit immer noch nicht.

dpa DARMSTADT. Die Minderheitsaktionäre, die über mehr als 50 Prozent der Vorzugsaktien verfügen, sperren sich, wo immer sie können. Sie wollen ihre Anteile so teuer wie möglich verkaufen.

P&G plant zwar am Dienstag die Unterzeichnung des Beherrschungsvertrags, der dem Konzern die vollständige Kontrolle von Wella ermöglicht. Doch Investmentfonds, die mehr als 16 Prozent der Anteile halten, wollen gleich im Anschluss ein Spruchstellenverfahren einleiten.

Noch im Frühjahr hatte P&G einen Beherrschungsvertrag weit von sich gewiesen, obwohl offensichtlich bereits daran gearbeitet wurde. Für den Kauf der restlichen Aktien wollte das Unternehmen nach Einschätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz den 4. Juni abwarten. Zu diesem Zeitpunkt lief die Selbstverpflichtung ab, bereits ausbezahlte Aktionäre an einem höheren Angebot zu beteiligen.

Jetzt stockte P&G den Preis für die Vorzugsaktie von 65 Euro auf 72,86 Euro auf. Betroffen ist von diesem Schachzug vor allem die Firma Henkel, die mit dem Verkauf ihrer knapp 7 Prozent Wella-Anteile den Deal erst ermöglicht hat. Sie verliert 19 Mill. Euro – wenn es bei diesem Angebot bleibt. Die Chancen stehen nach Ansicht von Aktionärsschützern jedoch gut, dass der Preis noch deutlich nach oben korrigiert wird. Damit könnte schnell eine Summe von 50 Millionen Euro zusammenkommen.

Ob es P&G gelingt, mit dem jetzigen Angebot die notwendigen 95 Prozent der Anteile für ein so genanntes Squeeze-Out und damit die vollkommene Kontrolle über Wella zu erlangen, ist fraglich. Die Investmentfonds haben bereits angekündigt, dass sie mit mindestens 90 Euro pro Aktie rechnen. So hoch sei nach Analysen der innere Wert von Wella anzusetzen.

Die gerichtliche Überprüfung der Abfindungen wird von Aktionärsschützern heute fast automatisch gefordert. „In vermutlich über 80 Prozent der oft mehrjährigen Verfahren kam es zu einer deutlichen Erhöhung der Abfindungen“, erklärt Rechtsanwalt Josef Broich, der die Fonds vertritt.

Die Minderheitsaktionäre haben dann zwei Möglichkeiten. Sie könnten ihre Aktien an P&G verkaufen mit dem Vorbehalt, bei einer Höherbewertung eine Nachzahlung zu bekommen, oder sie halten die Aktien bis zur Entscheidung und nehmen die jährliche Garantie- Dividende von fünf Prozent mit.

Vor diesem Hintergrund hält Broich die Wella-Aktie für einen „interessanten Titel“. Allerdings ist der Handel mit dem Papier äußerst eingeschränkt. Weder P&G noch die Fonds werden sich von ihren Anteilen trennen. „Der Freeflow liegt vielleicht gerade mal bei drei Prozent“, sagt Broich. Das Papier bleibt allerdings trotzdem im MDAX.

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