Investor Kerkorian geht wegen Fusion in Berufung
Chrysler gerät wieder in den Abwärtssog

Der drittgrößte US-Autohersteller Chrysler kann sich dem schlechten Zustand des Heimatmarktes nicht entziehen. Die US-Sparte von Daimler-Chrysler musste wegen ungünstiger Wechselkurse und schwacher Händlerauslieferungen einen überraschenden Gewinnrückgang von 17 Prozent auf 252 Millionen Euro hinnehmen.

hz FRANKFURT. Nachdem die führenden Hersteller des Landes, General Motors (GM) und Ford, vergangene Woche schwache Ergebnisse vorgelegt haben und ihre Prognosen senken mussten, hat auch die US-Sparte von Daimler-Chrysler wegen ungünstiger Wechselkurse und schwacher Händlerauslieferungen einen überraschenden Gewinnrückgang von 17 Prozent auf 252 Mill. Euro gemeldet. Experten hatten im Durchschnitt mit 100 Mill. Euro mehr gerechnet.

GM hatte vergangene Woche über den höchsten Verlust seit 13 Jahren berichtet. Ford prognostizierte nach einem Gewinneinbruch für das zweite Quartal rote Zahlen und zeigte sich insgesamt pessimistisch. Daimler stellt sich nun für Chrysler auf ein „sehr intensives Wettbewerbsumfeld“ ein. Ein Ende der Rabattschlacht scheint nicht absehbar. Der Hersteller glaubt jedoch trotz des schwachen Starts weiter daran, 2005 „die positive Entwicklung des Jahres 2004 fortsetzen“ zu können. Bislang rechnen die meisten Analysten für die US-Sparte mit einer weiteren Gewinnsteigerung.

Die Ergebnisse des ersten Quartals verdeutlichen jedoch, dass eine Nachhaltigkeit des Wachstums unsicher sei, warnt Lars Ziehn, Analyst der WestLB. 2004 zählte Chrysler neben der Nutzfahrzeugsparte und den Finanzdiensten zu den tragenden Säulen des Konzerns, die die Schwäche der Mercedes-Gruppe teilweise auffingen. Die US-Sparte fuhr einen operativen Gewinn von 1,9 Mrd. Euro ein.

Daimler braucht dringender denn je die Erfolge der Amerikaner, um die Krise der Mercedes-Gruppe, zu der auch die notleidende Kleinwagensparte Smart gehört, abzufedern. Mercedes rutschte im ersten Quartal wegen Qualitätsproblemen und dem Konzernumbau mit 954 Mill. Euro in die roten Zahlen. Allein für die Sanierung von Smart hat Daimler im ersten Quartal Rückstellungen in Höhe von 800 Mill. Euro gebildet – zwei Drittel der veranschlagten Kosten für die Rosskur.

Die Mercedes-Krise lässt auch das operative Konzernergebnis um 59 Prozent auf 628 Mill. Euro einbrechen. Es liegt jedoch wegen einer deutlichen Gewinnsteigerung der Nutzfahrzeugsparte noch über den Erwartungen der Analysten.

Für das Gesamtjahr bekräftigte Daimler die Anfang des Monats gesenkte Prognose. Danach soll der operative Gewinn ohne die Sanierungskosten für Smart etwas höher ausfallen als im Vorjahr. 2004 hatte Daimler operativ rund 5,75 Mrd. Euro verdient. Experten glauben, dass der Gewinn 2005 auf rund 4,8 Mrd. Euro schrumpfen wird.

Mercedes rechnet im zweiten Quartal mit einer Trendwende und verspricht eine deutliche Verbesserung für das dritte Quartal. Die von Mercedes-Chef Eckhard Cordes vorgegebene Margenverdoppelung bis 2007 auf sieben Prozent – das erreicht derzeit BMW – rückt allerdings in weite Ferne.

Noch keine Ruhe hat Daimler im Streit mit US-Milliardär Kirk Kerkorian. Zwar hatte ein US-Bezirksgericht dessen Klage wegen der Übernahme von Chrysler abgewiesen, doch Kerkorian ging gestern in Berufung. Seine Firma Tracinda war 1998 größter Anteilseigner von Chrysler; er wirft Daimler vor, er sei bei der Fusion getäuscht und um einen Milliardenbetrag hintergangen worden.

Den geplanten kleinen Mercedes-Geländewagen wird Daimler in Bremen bauen. Damit bestätigte der Konzern gestern einen Vorabbericht des Handelsblatts.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%