Investor will Konzern aufspalten
Kleinaktionär ärgert Energieriesen Eni

Kaum scheint das Schlimmste der Krise überstanden, melden sich die aktiven Fonds mit Argumenten zu Wort, die an vergangene Zeiten erinnern. In Italien hat es diesmal den teilstaatlichen Ölgiganten Eni erwischt.

MAILAND. In einem Schreiben an das Management fordert der US-Fonds Knight Vinke Asset Management, der knapp ein Prozent der Aktien besitzt, Eni aufzuspalten und mehr Schulden aufzunehmen. Der Fonds-Gründer Eric Knight und der Energie-Experte Glen Suarez versprechen sich davon eine Verdopplung des Börsenwerts.

Lange war es still geworden um die Investmentsfonds, die sich trotz geringer Beteiligung aktiv in die Unternehmensführung einmischen. In Italien hatte zuletzt der Fonds Algebris unter der Führung von Davide Serra für Wirbel gesorgt, als er eine aggressivere Expansions-Politik des Versicherers Generali forderte. Doch das war vor der Krise, die der Versicherer aus Triest nicht zuletzt dank seiner konservativen Politik besser überstanden hat als viele Konkurrenten. Mit einem nahenden Ende der Krise wagen sich die unbequemen Aktionäre wieder hervor.

Der jüngste Angriff von Knight Vinke auf Eni fordert in erster Linie, das Geschäft in Produktion - also die Öl- und Gasförderung in den Roh-stoffländern - und den Vertrieb - also das Geschäft als Versorger - zu trennen.

Tatsächlich hat Eni mit seinen knapp 80 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 108 Mrd. Euro eine Sonderrolle: Andere Ölkonzerne wie Shell, Total und Rapsol etwa konzentrieren sich auf die Produktion während sich Spieler wie Eon auf die Versorgerrolle spezialisieren. Diese Woche haben die Forderungen von Knight Vinke neue Munition bekommen, weil sich die britische Zeitung Financial Times die These des Fonds zu eigen gemacht hat.

Doch schon zuvor hat der Eni-Vorstandsvorsitzende Paolo Scaroni in einem Schreiben an die aufmüpfigen Fondsmanager seine Gründe dargelegt, warum er ihnen nicht folgen will. Das Unternehmen begrüßt in einer Pressemitteilung den konstruktiven Dialog mit allen Aktionären und bestätigt die laufenden Diskussionen mit Knight Vinke. Doch Eni weist darauf hin, dass es sich bereits von verschiedenen Beteiligungen im Gasgeschäft wie Italgas und Stogit sowie dem Gasvertrieb von Snam Rete Gas getrennt hat und dass die Aktionäre dies begrüßt hätten.

Außerdem sei die Tatsache, sowohl die Produktion als auch den Vertrieb zu kontrollieren, ein Wettbewerbsvorteil bei den Verhandlungen in bestimmten Ländern. "Enis langfristige strategische Beziehungen mit Algerien, Libyen und Ägypten sind auf einem integrierten Ansatz basiert", schreibt das Unternehmen und weist darauf hin, dass diese drei Länder allein 40 Prozent der Öl- und Gasförderungen ausmachen.

Auch das jüngste Abkommen mit dem russischen Energiekonzern Gazprom sei dem kombinierten Geschäft von Eni zu verdanken: "Eni profitiert von dem Zugang zu einigen der attraktivsten Energie-Vorkommen in Russland mit dem größten Energie-Player der Welt; und Gazprom profitiert umgekehrt von dem Zugang zu Gas-Konsumenten in Europa", heißt es. Eni habe daher "keinerlei Pläne", das Geschäft zu splitten und stelle in Europa eher einen Trend dahin fest, beide Geschäftssparten stärker zu integrieren.

Unterstützung erhält Eni in seiner Position von den Analysten von UBS: Die schreiben in ihrer Daily Oil News, dass sie nicht glauben, dass sich eine Aufspaltung deutlich auf den Börsenwert auswirken würde: "Wir glauben, dass ein unabhängiges Öl-Unternehmen Eni mit wenig Wahrscheinlichkeit eine bessere Bewertung erhielt, nur weil es damit ein potentielles Übernahmeobjekt wird." Das sei eine typische Idee von Knight Vink, so das Urteil der Analysten.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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