Investoren in China spüren kaum Nachteile – Erwerb von Land wird aber schwerer
Pekings Bremsmanöver lässt deutsche Firmen kalt

Deutsche Firmen in China reagieren bislang gelassen auf die Bremsmanöver der Zentralregierung. Sie will mit einer Drosselung der Kredite sowie mit verringerter Landvergabe und einer landesweiten Überprüfung aller wichtigen Investitionsprojekte in den boomenden Branchen die Konjunktur in ruhigere Bahnen lenken.

PEKING. Ganz oben auf der Zielliste für die konjunkturpolitischen Beruhigungspillen stehen die Bauwirtschaft, der Immobiliensektor, die Stahlbranche sowie die Bereiche Zement und Aluminium. So rechnet Alfred Wewers, Chefrepräsentant von Thyssen-Krupp in China, damit, dass die aktuellen Pläne für den Kapazitätsausbau in der Stahlbranche auf bis zu 380 Mill. Tonnen „weitestgehend eingefroren“ werden.

Doch das Thyssen-Krupp-Management macht sich keine großen Sorgen. Im Gegenteil: „Wir sehen die Pläne der Regierung positiv“, sagt Gerhard Mairhofer, General Manager beim Thyssen-Krupp-Joint- Venture Shanghai Krupp Stainless Steel. Dort wird kaltgewalzter Edelstahl für baunahe Branchen, für Hausgeräte und die Autoindustrie hergestellt. Das Joint-Venture sieht sich auf der sicheren Seite: Denn nur etwa ein Prozent der Stahlproduktion in China ist flacher Edelstahl. China muss in massivem Umfang importieren.

Auch die neue Feuerverzinkungsanlage, die Thyssen-Krupp am Freitag in der Hafenstadt Dalian mit dem lokalen Partner Angang New Steel in Betrieb nahm, dürfte nicht betroffen sein. Die Feinbleche sind hochwertig. Fast 80 Prozent der über 400 000 Tonnen Jahreskapazität werden in die rasch wachsende Autoindustrie gehen.

Mairhofer beobachtet bei einigen Kunden aber, dass „die Banken nun genau hinschauen“. Eine Erfahrung, die auch Linde-Vorstandsmitglied Aldo Belloni gemacht hat: „Wir sehen, dass bei manchen Kunden die Kreditlinien knapper werden“.

Auch bei Siemens – mit über 20 000 Beschäftigten größter deutscher Arbeitgeber in China – winkt das Management ab: „Das trifft unsere Bereiche nicht“, sagt China- Chef Ernst Behrens zu den ersten Auswirkungen der Konjunkturdämpfenden Maßnahmen.

„Wir haben bis jetzt noch nichts gespürt“, sagt auch Guo Zhan Geng, der Präsident bei Beijing Zehnder Radiators, einem Hersteller von Heizgeräten, überwiegend für die chinesische Wohnungswirtschaft. „Was in der Baubranche genehmigt war, läuft weiter“, erklärt Guo und schätzt, dass „mindestens ein Jahr vergehen wird, bis die Maßnahmen der Regierung richtig greifen“.

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