Investoren schieben Regierung schwarzen Peter zu
MG Rover hängt am seidenen Faden

Die Verhandlungen über die Rettung des britischen Autoherstellers MG Rover sind festgefahren. Der chinesische Autobauer SAIC will sich trotz grundsätzlicher Zugeständnisse der britischen Regierung für einen Überbrückungskredit nicht auf einen Einstieg festlegen.

LONDON. Mehrtägige Gespräche einer Delegation des Londoner Industrieministeriums in China brachten kein Ergebnis. In den Verhandlungen versuchen SAIC und MG Rover ihr im November angekündigtes Gemeinschaftsunternehmen unter Dach und Fach bringen. An den Gesprächen in Schanghai nehmen neben Rover-Chairman John Towers und SAIC-Chef Chen Xianglin auch Vertreter beider Regierungen teil. Die britische Regierung hatte sich eingeschaltet, als der chinesische Partner offenbar wegen der prekären Finanzlage von MG Rover kalte Füße bekam.

Towers schob der Regierung die Verantwortung für die festgefahrenen Verhandlungen zu: „Wir haben sehr weit reichende persönliche Verpflichtungen angeboten, um dem Handels- und Industrieministerium eine Entscheidung zu ermöglichen“, teilte er mit.

Schatzkanzler Gordon Brown hat gestern noch einmal bekräftigt, die Regierung werde alles tun werde, was in ihrer Macht stehe, um den Deal zu sichern. Eine Pleite des Unternehmens, von dem im Raum Birmingham direkt mehr als 6 000 und indirekt rund 25 000 Arbeitsplätze abhängen, käme der Labour-Partei im Wahlkampf höchst ungelegen. Doch eine Sprecherin des Handelsministeriums stellte gleichzeitig klar, dass auch die Interessen der Steuerzahler gewahrt werden müssten. Außerdem müsse ein Überbrückungskredit mit den EU-Regeln für Staatshilfen vereinbar sein.

MG Rover ist schon lange ein Sanierungsfall. BMW scheiterte in den neunziger Jahren mit dem Versuch, den Autobauer zu einem profitablen zweiten Standbein auszubauen. Im Mai 2000 verkauften die Bayern Rover nach Milliardeninvestitionen für zehn Pfund an die Phoenix Venture Holdings Ltd., eine Gruppe britischer Geschäftsleute unter Führung von Towers. Doch der Absatz schrumpfte weiter, 2004 um 28 000 auf 116 000 Stück.

Die tatsächliche Finanzlage von MG Rover ist unklar; die letzte Bilanz wurde für 2003 veröffentlicht. Ein Rover-Sprecher wies Berichte zurück, wonach das Unternehmen bei einem Scheitern der Verhandlungen mit SAIC innerhalb weniger Tage Insolvenz anmelden müsste. Er gestand aber ein, dass es keine anderen Interessenten gebe. Die Pensionsverpflichtungen, die britische Zeitungen auf 400 Mill. Pfund bezifferten, lägen heute unter den für Ende 2003 berichteten 67 Mill. Pfund, sagte er dem Handelsblatt.

„Es ist klar, dass sie ein Cash- Flow-Problem haben“, sagte Garel Rhys, Direktor des Centre for Automotive Industry Research der Universität Cardiff, der BBC. Rover habe nicht allzu viel Geld und die Chinesen müssten sicherstellen, dass Rover kurzfristig finanziert sei.

Sorgen bereitet SAIC offenbar auch, dass bei einer Insolvenz BMW zu den Gläubigern zählen würde. Der Konzern hat Rover noch knapp eine halbe Mrd. Pfund Kredit mit 50 Jahren Laufzeit gewährt. Die Summe sei aber bereits abgeschrieben, sagte ein Sprecher.

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