Investorensuche
GM und Politik streiten um Opel-Zukunft

Im Bieterwettbewerb um Opel schlittern der Mutterkonzern General Motors (GM) und die deutsche Politik auf eine Kraftprobe zu. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen zeichnet sich ab, dass der US-Konzern schon heute auf dem Treffen mit der Opel-Taskforce in Berlin den Einstieg des Finanzinvestors RHJ International empfehlen wird. Das dürfte auf Widerstand stoßen.

FRANKFURT/BERLIN. Hessens Ministerpräsident Roland Koch will den Amerikanern jedoch nicht das letzte Wort in dieser Frage überlassen. „Ob die Meinung von GM der Maßstab für die Zukunftskonzepte von Opel sein kann, wage ich zu bezweifeln“, sagte der CDU-Politiker dem Handelsblatt.

Damit bahnt sich ein Streit über die Investorenwahl zwischen dem Autokonzern und der deutschen Regierung an, die zuletzt offen eine Präferenz für den austro-kanadischen Zulieferer Magna zeigte. Auf dem heute geplanten Treffen im Kanzleramt von GM-Vertretern und der Opel-Taskforce, der Verhandlungsgruppe unter Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann, könnte der Dissens bereits offen zu Tage treten.

Das Treffen werde allerdings nur Informationscharakter haben und dort noch keine Entscheidung gefällt, hieß es. Auch der Beirat der Opel-Treuhand, die derzeit 65 Prozent der Anteile am Autobauer hält und den Verkaufsprozess überwacht, wolle sich noch nicht schnell festlegen. Ministerpräsident Koch machte aber erneut klar, wo die Präferenz des Bundeslandes Hessens liegt. „Es gibt keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen einen Finanzinvestor“, betonte er. „Es ist aber so, dass ein Finanzinvestor bestimmte Dinge nicht einbringen kann, wie dies ein strategischer Investor kann.“ Koch stellt sich damit im sich abzeichnenden Zweikampf zwischen Magna und RHJ klar auf die Seite des Zulieferers.

Koch stellt bei der Investorenauswahl vor allem den Aspekt der Eigenständigkeit der neuen Opel-Gesellschaft in den Vordergrund. „Man muss genau betrachten, wie viel Freiheit der jeweilige Investor Opel künftig lässt“, sagte Koch. Vor diesem Hintergrund sei es gut möglich, dass die Lösung, die weniger Freiheit enthalte, billiger sei – deswegen müsse sie aber nicht die Bessere sein. „Letztlich muss die Politik hier ihr Ermessen ausüben“, betonte der Ministerpräsident. „Sie ist es, die dem Steuerzahler verpflichtet ist.“

Magna hat in seinem endgültigen Konzept ausdrücklich betont, dass die neue Opel-Gesellschaft ein eigenständiges Unternehmen sein müsse. RHJ International, das rund 700 Mio. Euro weniger Staatshilfen als Magna bei einem Einstieg bei Opel beansprucht, strebt dagegen auch künftig einen engen Schulterschluss mit GM an. Die Opel-Treuhand, ohne deren Zustimmung kein Verkauf möglich ist und in der jeweils zwei Vertreter der deutschen und der amerikanischen Seite sitzen, hatte immer wieder betont, dass die Auswahl allein nach kaufmännischen Kriterien erfolgen werde.

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