Investorensuche nach Insolvenzantrag
Polen und Chinesen bringen Möbelriesen Schieder ins Wanken

Europas größter Möbelhersteller Schieder bangt um seine Zukunft. Nach dem Insolvenzantrag verhandeln die Ostwestfalen mit möglichen Investoren. Frisches Geld ist dringend nötig, will das Unternehmen sich aus dem Zangengriff befreien, in dem es steckt: Die chinesischen Konkurrenten arbeiten zu billig, die polnischen Arbeiter zu teuer. Hinzu kommen eigene Fehler.

DÜSSELDORF. Wie ein Unternehmenssprecher am Montag bestätigte, laufen die Gespräche mit Kreditgebern über eine weitere Finanzierung „mit Hochdruck“. Am Donnerstag hatte Schieder-Geschäftsführer Franz-Josef Golüke beim Amtsgericht Detmold einen Insolvenzantrag eingereicht. Der Antrag sei „vorsorglich“ gestellt worden, sagte ein Firmensprecher, und könnte schon bald zurückgenommen werden. „Die Lage kann sich stündlich ändern“, bemerkte er mit Blick auf die Verhandlungen mit Investoren.

Aus Arbeitnehmerkreisen erfuhr das Handelsblatt, dass Schieder zwar immer noch in Eigenverwaltung von Unternehmensgründer Rolf Demuth geleitet werde. Hinter den Kulissen halte man aber nach einem Insolvenzverwalter Ausschau. Unterdessen sei die Produktion in den ostwestfälischen Produktionsstätten Steinheim und Schieder-Schwallenberg teilweise eingestellt worden, weil Material fehle. Der Branchendienst „Möbelnews“ berichtet, dass die Lage in den polnischen Werken der Unternehmensgruppe ähnlich prekär sei.

„Wir hoffen, dass die 750 Arbeitsplätze in Ostwestfalen mit Hilfe eines Insolvenzverwalters gerettet werden“, sagte am Montag ein IG-Metall-Sprecher. Über die genauen Mitarbeiterzahlen herrscht indes Unklarheit. Schieder selbst hatte noch vor wenigen Monaten von deutschlandweit 1 500 Mitarbeitern gesprochen. Weltweit beschäftigt der Möbelriese 11 600 Arbeitnehmer, davon 9 000 in Polen.

Teures Polen

Nach Beobachtungen von Branchenexperten trägt die Entwicklung in Polen, wo Schieder seit 1989 massiv Produktionsstätten aufgebaut hat, die Hauptschuld an der Misere. „Dort beobachten wir derzeit erhebliche Kostensteigerungen“, berichtet Norbert Petersohn, geschäftsführender Gesellschafter des Consultingunternehmens Herrmann Beratende Ingenieure. Weil Wettbewerber aus Skandinavien und England die gut ausgebildeten polnischen Fachkräfte in großer Zahl abwerben, habe sich das Lohnniveau enorm nach oben bewegt.

Gleichzeitig werde der Hersteller, der mit seinen meist aus Spanplatten gefertigten Möbeln das untere Preissegment bedient, von Produzenten aus China und Malaysia attackiert. „Hinzu kommen deutlich gestiegene Preise im Holzeinkauf“, sagt Petersohn, „die wegen der Konsumflaute kaum an den Handel weitergegeben werden können.“ Rund 60 Prozent ihrer Produktion verkaufen die Ostwestfalen auf dem deutschen Markt.

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