Investorenvertreter
Hermes ändert seine Prinzipien wegen RWE-Wahl

Hermes, ein einflussreicher Pensionsfonds, hat seine Prinzipien für eine gute Unternehmensführung verschärft. Damit zieht das Unternehmen Konsequenzen aus den Erfahrungen in Deutschland der vergangenen Wochen.

LondonSo etwas wie an jenem Mittwoch im April in der Essener Grugahalle möchte Hans-Christoph Hirt nicht noch einmal erleben: Der Energiekonzern RWE wählte den Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau in den Aufsichtsrat - einen Mann mit wenig Branchenkenntnis, dafür aber zu vielen anderen Mandaten in Kontrollgremien und Mitgliedschaften in 50 Ausschüssen und Beiräten. "Bei RWE wurden Kandidaten für den Aufsichtsrat präsentiert, die den Anforderungen vieler Investoren nicht gerecht wurden", so das Fazit von Hirt, Manager bei der Investorenberatung Hermes Equity Ownership.

Das Unternehmen, eine Tochter des britischen Pensionsfonds Hermes, ist einer der einflussreichsten Investorenvertreter Europas. Hirt nimmt die Aktionärsinteressen des Mutterkonzerns wahr, der an allen Dax-Unternehmen Anteile hält, und die anderer Investoren. Hermes Equity Ownership hat jetzt die Konsequenzen aus den Erfahrungen in Deutschland gezogen und seine Prinzipien für gute Unternehmensführung für deutsche Beteiligungen überarbeitet - wenige Wochen, bevor die Suche nach neuen Kontrolleuren in Dax-Konzernen wie Bayer, Daimler und Henkel beginnt. Dort laufen 2012 einige Aufsichtsratsmandate aus.

Auch die Deutsche Bank als Auslöser

Auslöser für die neuen Hermes-Prinzipien war nicht nur der RWE-Fall, sondern auch die planlose Suche nach einem Nachfolger für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. "Die Corporate Governance ist auf einem ganz guten Weg in Deutschland", sagt Hirt im Handelsblatt, "in diesem Jahr gab es aber auch Rückschritte."

In den überarbeiteten Richtlinien, die dem Handelsblatt vorab vorliegen, fordert Hermes unter anderem: "Unternehmen sollten Investoren bei wichtigen Entscheidungen wie der Nominierung von Aufsichtsräten einbeziehen." Abstimmungsdebakel wie das bei RWE könnten so verhindert werden, sagt Hirt. Auf der RWE-Hauptversammlung im April erhielt Sierau 70 Prozent der Stimmen. Das war das schlechteste Ergebnis bei der Wahl der zehn Aufsichtsräte der Kapitalseite.

Bei der Suche nach einem Ackermann-Nachfolger haben Corporate-Governance-Experten nicht nur das unprofessionelle Vorgehen des Deutsche-Bank-Aufsichtsrats kritisiert, sondern auch den geplanten Wechsel Ackermanns an die Spitze des Kontrollgremiums. Eigentlich ist in solchen Fällen eine zweijährige Wartezeit vorgesehen.
Hirt hält diese Regelung für "zu starr und nicht zielführend". Es könne gute Gründe dafür geben, dass ein ehemaliger Unternehmenslenker ohne Wartezeit in den Aufsichtsrat wechselt - etwa weil er sehr erfolgreich gewesen sei und über wichtiges Wissen verfüge. Bei Ackermann hat Hirt allerdings noch Bedenken: "Wir sind nicht davon überzeugt, dass ein direkter Wechsel an die Aufsichtsratsspitze Sinn macht." Da brauche es noch einiges an Überzeugungsarbeit. Ackermann sagte mal über sich selbst, er sei für diesen Posten ungeeignet.

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