IT-Großprojekt
Siemens und IBM geraten bei Bundeswehr unter Beschuss

Siemens und IBM geraten wegen des IT-Großprojektes "Herkules" bei der Bundeswehr unter Druck. Die Kommission zur Reform der Bundeswehr stellt den beiden Konzernen ein Armutszeugnis aus. Die Unternehmen wehren sich.
  • 0

HB MÜNCHEN. Die Kommission zur Reform der Bundeswehr hat das laufende IT-Großprojekt „Herkules“ unter industrieller Führung von Siemens und IBM kritisiert. „Die existierende IT-Organisation und -Prozesse haben bisher nicht zu einer bedarfsgerechten IT-Ausrüstung der Streitkräfte wie auch der Wehrverwaltung geführt. Großprojekte verzögern sich um Jahre und sprengen den vorgesehenen Kostenrahmen“, bemängelt das Gremium um den Chef der Bundesarbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise, in seinem Abschlussbericht.

Weise fordert Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zum raschen Eingreifen auf. Die Kommission empfiehlt „die sofortige Überprüfung der laufenden IT-Großprojekte und Einsetzung eines professionellen Projektmanagements zu deren Stabilisierung.“

Die für Herkules zuständige Projektgesellschaft BWI, in der sich der Bund sowie die Industriepartner zusammengeschlossen haben, räumt ein, in Teilbereichen ein Jahr im Rückstand zu sein. „Verzögerungen sind immer doof, für alle Seiten“, sagte ein BWI-Sprecher. Aufgrund von wechselnden Netzwerkplänen der Bundeswehr und des komplexen IT-Bestands der Truppe dauere die Installation eines Teils der neuen Ausstattung länger als veranschlagt.

BWI und Siemens verwahren sich allerdings gegen den Vorwurf der Kostenexplosion. Nach den jüngsten Verschiebungen innerhalb des Auftragsumfangs werde wie geplant das Budget von 7,1 Milliarden Euro eingehalten. Ursprünglich sollte das Mammut-Vorhaben zur Erneuerung der Telefonanlagen und Computersysteme der Bundeswehr, an dem Siemens und IBM beteiligt sind, gut sieben Milliarden Euro kosten.

Das 1999 vom damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping initiierte Projekt startete 2007. Zwischenzeitlich liefen die Kosten für das größte gemeinsame Projekt von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft in Europa aus dem Ruder. Der Bundesrechnungshof hatte die zusätzlichen Belastungen auf 900 Millionen Euro veranschlagt, Verteidigungsminister Guttenberg schätzte sie auf 700 Millionen Euro und hatte bereits auf eine Reduktion der Kosten gedrängt. Die Kostensprünge seien „inakzeptabel“, hatte der CSU-Politiker geklagt. Inzwischen habe die Bundeswehr ihren IT-Wunschzettel allerdings überarbeitet und somit seien die Kosten wieder im Plan, erklärt die BWI.

Der „Herkules“-Auftrag wurde auf zehn Jahre vergeben und ist der größte Einzelauftrag von Siemens. Auf den Konzern entfällt ein Ordervolumen von rund 4,3 Milliarden Euro. Die gemeinsame Betreibergesellschaft BWI soll an 1500 Standorten die IT-Systeme mit 140.000 PCs, 7000 Großrechnern, 300.000 Telefonen und 15.000 Handys aufrüsten. Während der Aufbau des Telefonsystems nach BWI-Angaben inzwischen abgeschlossen sei, fehlt noch gut die Hälfte der neuen Computer.

In den ersten vier Jahren erneuern IBM und Siemens die bisherigen Geräte, später sorgen sie für den IT-Betrieb und sollen die Hardware auf aktuellem Stand halten. Die Firmen haben sich auf politischen Druck hin verpflichtet, knapp ein Drittel der Unteraufträge an mittelständische Unternehmen zu vergeben.

Kommentare zu " IT-Großprojekt: Siemens und IBM geraten bei Bundeswehr unter Beschuss"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%