IT-Sparte wird verkauft
Vossloh will Dieselloks verkuppeln

Der Verkehrstechnik-Konzern Vossloh sortiert sich neu: Die defizitären Informationssparte wird verkauft, für die Diesellok-Produktion wird ein strategische Partner gesucht. US-Finanzinvestor und Vossloh-Aktionär Guy Wyser-Pratte dürfte unzufrieden sein, hatte er doch viel weitreichendere Einschnitte gefordert.

HB DÜSSELDORF. Das Kerngeschäft Bahninfrastruktur und Schienenfahrzeuge soll vor allem im Ausland organisch, aber auch durch Zukäufe wachsen, wie das im Nebenwerteindex MDax notierte Unternehmen am Donnerstag in Düsseldorf ankündigte. Dabei stehe die Gewinnverbesserung vor dem Umsatzwachstum. Ziel sei ein zweistelliger Wert bei der operativen Gewinnmarge. Dies soll unter anderem durch jährliche Kosteneinsparungen in Höhe von 25 Mill. Euro erreicht werden. Für Zukäufe stünden 500 Mill. Euro zur Verfügung. Zudem stellte Vossloh parallel zu künftigen Gewinnsteigerungen höhere Dividenden in Aussicht.

Das profitable Diesellok-Geschäft mit seinen Produktionsstandorten in Kiel und Valencia soll künftig mit einem Partner ausgebaut werden. Alleine könne der Konzern die Expansion nicht stemmen. Vossloh sieht sich in dem Bereich als europäischer Marktführer. In der Sparte machte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 370 Mill Euro. Die Hauptsparte Bahninfrastruktur mit dem Verkaufsschlager Schienenbefestigungen kam auf 580 Mill. Euro. In diesem Bereich ist Vossloh Marktführer.

Von dem dritten und kleinsten Bereich, der defizitären Informationssparte mit einem Umsatz von lediglich 50 Mill. Euro, will sich Vossloh komplett trennen. Im Konzern sei dieses Unternehmen, das unter anderem Anzeigetafeln für Bahnhöfe herstellt, nicht aus den roten Zahlen zu holen, sagte Vossloh-Chef Eschenröder.

Das parallel laufende Sparprogramm zielt nach Angaben des Unternehmens nicht vorrangig auf den Abbau von Mitarbeitern. Es seien 70 der 5 000 Beschäftigten von Vossloh betroffen, sagte Vorstandsvorsitzender Gerhard Eschenröder am Donnerstag. Dazu kämen noch 100 Mitarbeiter mit Zeitverträgen, die nicht verlängert würden. Der überwiegende Teil der geplanten Einsparmaßnahmen werde durch Optimierung von Produktion und Einkauf realisiert.

Wyser-Pratte sorgt für Zwist

Vorstandschef Burkhard Schuchmann hatte das Unternehmen zu Jahresbeginn im Streit über die Konzernstrategie verlassen. Er wollte auch durch Zukäufe den Umsatz mittelfristig verdreifachen. Sein Nachfolger Eschenröder hatte eine Überprüfung der Konzernstrategie direkt nach seinem Amtsantritt angekündigt.

Vor einigen Monaten war zudem der Firmenjäger Guy Wyser-Pratte mit einem kleinen Anteil bei Vossloh eingestiegen. Der US-Investor ist bekannt dafür, sich Verbündete unter den Aktionären zu suchen und dann den Vorstand zum Umbau des Unternehmens zu drängen. Sein Ziel ist stets eine Steigerung des Aktienkurses, um mit Gewinn wieder aus dem Unternehmen auszusteigen. Bei Vossloh hat er den Verkauf der Diesellok-Produktion gefordert. Doch mit seiner Partnersuche für den Bereich hat der Vorstand dem Investor einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für einen Verkauf bestehe keine Notwendigkeit, sagte Unternehmenschef Eschenröder.

Warum sich Wyser-Pratte mit seinem Einstieg bei Vossloh mit Sitz im Sauerländischen Werdohl verschätzt haben dürfte, lesen Sie im großen Handelsblatt-Report: » Die Parabel vom eisernen Hufnagel

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