IT-Systeme im Auto
iCar wird zum Jobmotor für die Fahrzeugindustrie

Die Berater von A.T. Kearney rechnen mit 40 000 neuen Arbeitsplätzen in Deutschland durch den verstärkten Einsatz von IT-Systemen in Fahrzeugen in der Branche. Assistenzsysteme und Elektroauto sind Treiber des Wachstums.
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FRANKFURT. Der verstärkte Einsatz von intelligenten IT-Systemen im Auto wird laut einer Studie bis zum Jahr 2025 zahlreiche neue Arbeitsplätze in Deutschland entstehen lassen. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney beziffert die Zahl der zusätzlichen Stellen in ihrer Untersuchung, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, auf rund 40 000.

Die zunehmende Elektrifizierung des Automobils schreitet bereits heute zügig voran. Fahrassistenzsysteme, also elektronische Helfer für die Fahrer, sind nach Ansicht der Experten nur der Anfang für eine ganze Reihe neuer Funktionen, die verstärkt Einzug halten werden. Schon die Elektromobilität erfordere eine starke Zunahme elektrischer Bauteile und deren Vernetzung, so dass künftig über die Hälfte der Wertschöpfung der Hersteller auf dieses Segment entfallen werde.

„Der größte Teil des Wachstums kommt aus Systemen für die nachhaltige Mobilität sowie aus Sicherheits- und Assistenzsystemen“, sagt Michael Römer, Berater von A.T. Kearney und Leiter der Studie, für die über 50 Topmanager und 80 Automobil-Kunden befragt wurden.

Die deutschen Autokonzerne bauen bereits immer mehr Internet-Features und Sicherheitstechnik in die Autos ein. Bei Mercedes warnen im Topmodell der S-Klasse längst Systeme wie ein Nachtsichtassistent und ein automatischer Abstandsregel-Tempomat den Fahrer vor möglichen Gefahren. Konkurrent BMW ist dabei, seine Technik „Connected Drive“, mit der der Fahrer permanent mit einer Online-Plattform verbunden ist, mit Macht in den Markt zu drücken. Audi peilt sogar an, in zwei Jahren mit einem App-Store auf dem Markt zu sein.

Die Chipbranche frohlockt bereits. In Deutschland werde der Umsatz mit Chips nächstes Jahr, auch wegen der starken Nachfrage aus der Autoindustrie, um fast zehn Prozent auf 10,3 Milliarden Euro zulegen, erwartet der Elektronik-Branchenverband ZVEI.

Auch die Bereiche Anlagenbau, Unterhaltungselektronik sowie Medizintechnik werden nach der Analyse der Experten von A.T. Kearney durch eine stärkere Vernetzung der Systeme stark wachsen. „Wir glauben, dass man insgesamt von einem Wachstum bis 2025 von über 100 000 Arbeitsplätzen in Deutschland ausgehen kann“, sagt Römer. „Ein solches Wachstum setzt jedoch voraus, dass die noch bestehenden Barrieren von Wirtschaft und Politik beseitigt werden.

Noch fehle es der Industrie an Standards und IT-Experten, zudem seien Industriestruktur und Geschäftsmodelle noch nicht ausreichend entwickelt. Kritisch sehen die Experten zudem die deutschen Ausbildungsmöglichkeiten: Heute gebe es noch zu wenige Studiengänge mit Fokus auf dieses spezielle Segment.

Denn die Konkurrenz im Ausland schläft nicht. Microsoft, Google oder Apple haben sich bereits auf den Weg gemacht, in die Kommunikation der Autos einzudringen. So bietet Google Kartensysteme an, Microsoft-Know-how findet sich unter anderem auch in den neuen S-Klasse-Autos von Mercedes und der BMW 7er-Serie, und auch Apple holte schon Autofachleute ins kalifornische Palo Alto.

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