IT-Unternehmen
Nur im Valley scheint schon die Sonne

Die Börse wartet gespannt auf den Beginn der Berichtssaison mit dem Aluminiumhersteller Alcoa - während sich die IT-Unternehmen bereits für den nächsten Aufschwung rüsten. Doch weite Teile der US-Industrie stecken tief in der Krise fest. Wie ein Leuchtturm hebt sich die ertragsreiche US-Technologie von den traditionellen Industriezweigen ab – diese warten weiter auf den Aufschwung.

NEW YORK. Ausgerechnet in der jungen Technologie-Hochburg an der Westküste Amerikas sieht es nach der guten alten Welt aus: Oracle schluckt Sun, Cisco greift nach Tandberg, Dell verstärkt sich mit Perot Systems, Adobe schnappt sich Omniture. Im Silicon Valley darf der lange Zeit ausgetrocknete Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) auf eine Wende zum Guten hoffen: Allein die IT-Branche hat im September 2009 Zusammenschlüsse im Volumen von mehr als 25 Mrd. Dollar angekündigt, rund zehnmal so viel wie im Monat zuvor. "Kann die wieder unter Spannung stehende IT-Branche die USA aus der Großen Rezession führen?", fragt das Magazin "Business Week".

Ausgemacht ist das längst nicht. Mit ihren prallgefüllten Kassen in zweistelliger Milliardenhöhe ragen Apple und Google, Microsoft, IBM und Cisco als Leuchttürme in finsterer Zeit heraus. Während sich die IT-Unternehmen für den nächsten Aufschwung rüsten, stecken weite Teile der US-Industrie in der Krise fest. Das wird die Berichtssaison des dritten Quartals zeigen, die am Mittwoch nach Börsenschluss traditionell mit Zahlen des Aluminium-Konzerns Alcoa eingeleitet wird.

Analysten gehen nach Angaben des Finanzdatenspezialisten Thomson Reuters davon aus, dass die Ergebnisse der Firmen aus dem weltweit wichtigsten Börsenindex S&P 500 erneut um knapp 25 Prozent unter Vorjahr liegen werden, belastet insbesondere von der Schwäche in traditionellen Industriezweigen wie Stahl und Bau. Es wäre das neunte Quartal in Serie, das "Corporate America" mit einem Gewinnminus abschließt - trotz staatlicher Anschubhilfen und eines erneut gefallenen Dollars, der seit Monaten die Exporte befeuert.

19 Monate Rezession und dramatische Vermögensverluste insbesondere in Privathaushalten haben Schäden angerichtet, die in den USA stärker nachwirken als in anderen Industriestaaten. Zwar sind Erholungstendenzen unverkennbar. Die Aktivität kommt aber vermutlich nicht schnell genug zurück, um den Abwärtstrend im Jobmarkt aufhalten zu können. Die Arbeitslosenrate klettert schier unaufhaltsam der Zehn-Prozent-Marke entgegen und wird zum zentralen Krisenbarometer in den USA. Allein im September hat "Corporate America" wieder 263 000 Jobs abgebaut, deutlich mehr als erwartet.

Ökonomen warnen davor, dass es bisher vor allem Stimulusprogramme der Regierung waren, die Nordamerika aus der Rezession geführt haben. Die Abwrackprämie verhalf der Autoindustrie zu einem kurzen Schub, auch der Immobilien- und Finanzsektor verdankt seine Erholung weitgehend staatlichen Anschubhilfen. "Die Erholung ist nicht real", warnt Peter Thiel, Chef des Hedge-Fonds Clarium Capital. Die US-Wirtschaft stehe vor tiefen strukturellen Problemen, die bisher nicht gelöst seien. Dabei sei unklar, "wie wir wieder Jobs schaffen und die Wirtschaft ankurbeln können", betont Thiel, der mit der Gründung des Online-Bezahldienstes Pay-Pal zum Milliardär aufstieg.

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