Italiener brauchen bald frisches Geld
GM und Fiat suchen Verhandlungslösung

Der US- Autokonzern General Motors erhöht den Druck auf seinen strategischen Partner Fiat. GM möchte sich laut Branchenkennern von der Verpflichtung befreien, die Autosparte der Italiener vollständig übernehmen zu müssen, falls Fiat dies fordert. Um ihre Verhandlungspositionen zu verbessern, versuchen die Amerikaner, Zweifel an der juristischen Gültigkeit der Vereinbarung zu schüren.

FRANKFURT/MAILAND. Die beiden Unternehmen hatten im März 2000 vereinbart, dass Fiat das Recht hat, GM im Zeitraum 2004 bis 2009 sämtliche Anteile der Autosparte zu verkaufen (Put-Option). 20 % an Fiat Auto übernahmen die Amerikaner sofort. Parallel zur juristischen Prüfung seitens GM verhandeln die Partner jedoch kontinuierlich über eine einvernehmliche Lösung, die aber bislang laut Insidern an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert ist.

Für eine Verschlechterung des Klimas zwischen Turin und Detroit spricht auch, dass sich GM nicht an der notwendigen Kapitalerhöhung für Fiat Auto in Höhe von 5 Mrd. Euro beteiligen will. In Folge dessen wird der Anteil der Amerikaner an dem Unternehmen von 20 % auf 10 % verwässert. „Durch die Kapitalerhöhung ist Bewegung in die Verhandlungen gekommen“, glaubt Henrik Lier, Autoanalyst der WestLB.

Die Übernahmeverpflichtung stellt für die Amerikaner ein großes Risiko dar. Denn Fiat Auto ist hoch defizitär und wird nach eigenen Angaben nicht vor 2006 in die Gewinnzone zurückkehren. Für die Turiner Mutter hingegen besitzt die Option den Charakter einer Lebensversicherung: Sollte der jüngste Sanierungsplan des neuen Vorstandschefs Giuseppe Morchio keine Früchte tragen, könnte sich der Konzern auf diese Weise elegant von seinem größten Verlustbringer trennen. Dass Fiat weiterhin an dieser theoretischen Möglichkeit festhält, geht aus einem Dokument an die US-Börsenaufsicht SEC hervor. Demnach betrachtet Fiat den „put“ zwar als nachrangig – die eigenständige Sanierung stehe im Vordergrund. Die Ausübung der Option halten die Italiener aber ausdrücklich für „durchsetzbar“.

Exakt dies zieht GM in Zweifel. Zuletzt hat der Konzern das Gerücht geschürt, die Bedingungen für die Put-Option könnten entfallen sein. Offiziell äußert sich GM dazu zwar nicht – Analysten gehen aber davon aus, dass durch die Kapitalerhöhung verursachte Veränderungen der Beteiligungsverhältnisse und der Strategiewechsel der Italiener im Autogeschäft als Gründe für eine Nichtigkeit der Option angeführt werden. „GM lässt diese Möglichkeit mit Sicherheit prüfen“, glaubt Lier.

Dennoch dürften es beide Partner nicht auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen. Ein Prozess würde auch die gemeinsamen Projekte beeinträchtigen, die sich bislang erfolgreich entwickeln. So erhält die europäische Zusammenarbeit beim Einkauf und in der Entwicklung und Produktion von Motoren und Getrieben sowohl von GM als auch von Fiat gute Noten: „Die Zusammenarbeit läuft mit jedem Jahr besser. Dabei ist die formale Verflechtung der Unternehmen nicht entscheidend“, sagt ein Sprecher von GM Europe. Aktuell realisieren die Autoriesen jährliche Synergien in Höhe von 600 Mill. Euro, die bis 2006 auf über 1 Mrd. Euro jährlich steigen sollen.

Nach Meinung von Branchenbeobachtern könnten sich die Unternehmen darauf einigen, ihre Kooperation zu stärken – auch ohne Beteiligung. Die Italiener haben ihren beim Vertragsschluss erworbenen 5,6 %igen GM-Anteil bereits versilbert und dürften auch daran interessiert sein, die Put-Option zu Geld zu machen. Denn das Unternehmen braucht für die angekündigte Modelloffensive Milliarden. Schon im Herbst werden Fiat-Schuldverschreibungen von 1,1 Mrd. Euro fällig, 2004 sind es 3,2 Mrd. Euro. „Fiat hat Geldbedarf, und GM kann die Notlage nutzen, sich aus den Verpflichtungen freizukaufen“, sagt Sal.-Oppenheim-Analyst Patrick Juchemich.

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