Italiener greifen an
Fiat stellt Opel-Zentrale nicht infrage

Der Übernahmeplan des italienischen Autobauers Fiat für Opel hat weitaus größere Dimensionen als bisher bekannt und erfordert tiefere Einschnitte. Das geht aus dem Konzept hervor, dass Fiat dem Bundeswirtschaftsministerium präsentiert hat und das dem Handelsblatt vorliegt. Die deutschen Werke kommen hierbei jedoch weitgehend glimpflich davon.

FRANKFURT/BERLIN. Dem Konzept zufolge strebt Fiat nicht nur den Einstieg bei Opel an, sondern greift auch nach der insolventen schwedischen GM-Marke Saab, dem Geschäft des Opel-Mutterkonzerns General Motors in Südafrika und in den südamerikanischen Mercosur-Staaten. Die Marken des neuen Weltkonzerns sollen nach dem Konzept von Fiat-Chef Sergio Marchionne jedoch weitgehend unabhängig geführt werden: Demnach soll die Führung der Marke Opel weiter in Rüsselsheim verbleiben, während Saab aus Schweden und die italienischen Marken aus Turin geführt werden.

Der neue Weltkonzern, den Fiat aus seiner Autosparte, der Beteiligung am US-Autobauer Chrysler und an Opel schmieden will, wäre damit noch größer als es die bisher bekannten Pläne vermuten ließen, und böte auch größere Synergien als bisher angegeben. So beziffert Fiat in dem aktuellen Konzept „Project Phoenix“ das Synergienpotenzial auf schätzungsweise 1,4 Mrd. Euro. Marchionne hatte in der Öffentlichkeit bisher lediglich eine Zahl von einer Milliarde Euro genannt. Einschnitte sind bei dem neuen Konstrukt allerdings unvermeidlich: Insgesamt sehen die Italiener im Konzept bei einem Opel-Einstieg vier Werke im Konzern von einer Schließung bedroht – davon allerdings in Deutschland nur Kaiserslautern, für das Marchionne Anfang der Woche jedoch eine Bestandsgarantie abgab. Die Opel-Standorte Rüsselsheim und Bochum müssten sich nur darauf einstellen, verkleinert zu werden.

Während die deutschen Werke damit weitgehend glimpflich davon kommen, müssten jedoch das GM-Werk im englischen Luton und die Auftragsfertigung von GM bei Magna im österreichischen Graz mit dem Ende rechnen. Aber Fiat kehrt auch vor der eigenen Haustür: Eine Fiat-Auftragsfertigung bei Pininfarina in San Giorgio Canavese sowie die sizilianische Fiat-Fertigung Termini Imerese müssen damit rechnen, abgewickelt zu werden. Auch dem italienischen Fiat-Werk Pomigliano, wo Alfas gebaut werden, droht eine Schrumpfkur. Die Hauptlast der Kürzungen trügen damit die britische Opel-Schwestermarke Vauxhall in Großbritannien sowie die Fiat-Fabriken in Italien. Sprecher von Fiat und Opel wollten die Informationen nicht kommentieren.

Fiat ist jedoch offenbar bereit, für eine Übernahme auch politischen Streit in der Heimat in Kauf zu nehmen, an dem Schließungspläne in Italien bisher stets gescheitert waren. „Das belegt, dass Fiat für die Allianz eine Menge in die Waagschale zu werfen bereit ist“, betont der Autoexperte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. „Die These, Fiat wolle sich auf Kosten von Opel sanieren, dürfte damit nur noch schwer aufrechtzuerhalten sein.“

Die Italiener werden allerdings bei ihren Plänen auf politische Rückendeckung angewiesen sein. So macht Fiat im Rahmen des von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg genannten Finanzierungsbedarfs der Transaktion von bis zu sieben Milliarden Euro allein für die verlustreiche GM-Division in Europa einen Cash-Bedarf von bis zu 2,8 Mrd. Euro und weitere 3,9 Mrd. Euro Bargeldbedarf für das operative Geschäft des neuen Konzerns aus. Gefahren sieht Fiat vor allem darin, dass der neue Verbund Kunden an die Konkurrenz verlieren könnte, weil beispielsweise Opel-Käufer ihr Auto nicht mehr als deutsches Produkt wahrnehmen könnten. Im schlimmsten Fall ginge so der Absatz um 150 000 Fahrzeuge zurück, was ein finanzielles Risiko von 180 Mio. Euro bedeute.

An der neuen Auto-Gesellschaft soll laut Unternehmenskreisen neben der Fiat-Familie Agnelli im Gegenzug für die Einbringung der Autosparten auch der Opel-Mutterkonzern GM einen Anteil erhalten. Marchionne strebt an, aus dem geplanten Weltkonzern eine neue Aktiengesellschaft zu formen.

Das Tauziehen um die Politik unter den Opel-Bietern geht derweil in eine neue Runde. Marchionne trifft am Freitag die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Hessen, Kurt Beck und Roland Koch. Fiats Rivale Magna feilt dagegen weiter an seinem finalen Konzept und führt dafür intensive Gespräche mit den Rüsselsheimern.

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