Italienische Autoschmiede
Bertone gerät in höchste Gefahr

Die italienische Autoschmiede Bertone steht am 18. Dezember vor dem Konkursrichter. Einen Gesprächstermin mit der italienischen Regierung ließ Bertone diese Woche platzen, ohne den angekündigten Rettungsplan für 1 000 Arbeitsplätze vorzulegen. Die Zukunft der gesamten Branche ist ungewiss.

DÜSSELDORF. Mindestens 300 von 1 300 Jobs sind Unternehmensangaben zufolge gefährdet. Das 1912 gegründete Traditionsunternehmen war lange mit dem deutschen Autobauer Opel verbunden. Von 1987 bis 2005 ließ Opel von den Italienern 247 025 Cabrios vom Typ Kadett und Astra bauen. Das aktuelle Modell Astra TwinTop baut Opel jedoch in Antwerpen.

Der Jobverlust bei Bertone und dem deutschen Konkurrenten Karmann – insgesamt stehen mindestens 2 000 feste Arbeitsplätze auf dem Spiel – ist nach Meinung von Branchenexperten noch nicht der Höhepunkt der immer bedrohlicheren Krise der Spezialautobauer. „Momentan ist es ein Trend, dass die Hersteller auch Kleinserien selbst produzieren, um ihre Kapazitäten auszulasten“, sagt Frank Schwope, Autoanalyst der NordLB. Die Konzerne haben in den vergangenen Jahren ihre Fertigung erheblich flexibilisiert. „Auch Spezialfahrzeuge wie Cabrios können heute auf der normalen Fertigungslinie hergestellt werden“, sagt Christoph Stürmer, Autoanalyst beim Marktforschungsinstitut Global Insight. „Das Kapitel Lohnfertigung ist mehr oder weniger beendet.“

In der kommenden Woche wollen Unternehmensspitze und Betriebsrat bei Karmann die Rahmenbedingungen eines Sozialplans für 1 700 Mitarbeiter im Fahrzeugbau verabschieden. Das Osnabrücker Unternehmen hatte Anfang Dezember im Rennen um eine Geländevariante des Mini („Colorado“) den Kürzeren gezogen. Aus Unternehmenskreisen verlautete, am Ende sei es zwar ein Kopf-an-Kopf-Rennen gewesen, aber Karmann müsse noch weiter mit den Kosten runter. Gelingt es den Osnabrückern bis Juli 2008 nicht, einen neuen Auftrag zum Fahrzeugbau an Land zu ziehen, müssen 750 weitere Mitarbeiter gehen.

Autoanalyst Stürmer sieht auf Dauer lediglich für Magna Steyr Überlebenschancen. „Magna ist eine klare Ausnahme. Die Österreicher haben rechtzeitig ihre eigene Identität aufgegeben und sind nun ein verlängerter Fertigungsarm für BMW.“ Auch NordLB-Experte Schwope rechnet mit einer engeren Anbindung der Lohnfertiger an die Autokonzerne. „Der ein oder andere wird von einem Autobauer geschluckt.“

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