Italienische Gruppe verkauft Tochtergesellschaften und will Ordnung in die Bilanz bringen
Milchkonzern Parmalat kämpft um das Vertrauen der Anleger

Seit einem Monat schwebt das Damoklesschwert eines handfesten Unternehmensskandals über dem italienischen Milchkonzern Parmalat: Gründe dafür sind Zweifel an der Richtigkeit der Rechnungslegung. Der Nahrungsmittelkonzern will nun das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Er scheint bereit, Ordnung in die Finanzen zu bringen und sich durch Beteiligungsverkäufe auf solidere Grundlagen zu stellen.

MAILAND. Die Familie Tanzi, die noch zu 52 % das Unternehmen kontrolliert, hat die Deutsche Bank damit beauftragt, Käufer für zwei Tochtergesellschaften in den USA zu finden – für die Kekshersteller Mother’s Cake sowie Archway Cookies, die zusammen im vorigen Jahr 400 Mill. Euro umgesetzt haben.

Auch soll baldmöglichst der konzerneigene Reiseveranstalter Parmatour abgegeben werden. Wie es in mit der Situation vertrauten Kreisen heißt, stehen die Verhandlungen über Parmatour kurz vor dem Abschluss: Das Unternehmen soll an einen Geschäftsmann gehen, der der Familie Tanzi nahe steht.

Parmalat ist in 30 Ländern mit 36 000 Mitarbeitern vetreten. Der Jahresumsatz lag im vorigen Jahr bei 7,5 Mrd. Euro, der operative Gewinn bei 613 Mill. Euro. Auslöser der jüngsten Affäre um das Unternehmen waren Zweifel der Wirtschaftsprüfer an der Korrektheit des Halbjahresabschlusses: Erstens konnte ein Gewinn aus einem Geschäft mit Währungsderivaten über 135 Mill. Euro nicht nachvollzogen werden. Zweitens fanden die Prüfer keine Belege über eine 500 Mill. Euro schwere Investition in einen Hedge-Fonds mit Sitz im Steuerparadies der Cayman Islands.

Auf diese Nachrichten haben Anleger verschreckt reagiert und die Aktie im letzten Monat um rund 25 % in den Keller geschickt. Die Renditen der von Parmalat emittierten Unternehmensanleihen sind infolge der Vertrauenskrise sprunghaft in die Höhe geschossen.

Obwohl der Konzern inzwischen mitgeteilt hat, dass die Hedge-Fondsgesellschaft die Anlage von 500 Mill. Euro bis Donnerstag zurückerstatten werde, haben sich die Wogen nicht geglättet. Denn Marktteilnehmer befürchten, dass Parmalat seine Finanzlage bislang rosiger dargestellt hat, als sie tatsächlich ist.

Finanzarchitektur des Konzerns soll vereinfacht werden

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat den Konzern auf die negative Beobachtungsliste gesetzt, was in eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Spekulationsniveau münden könnte. Der jüngste Rücktritt des zweiten Finanzchefs innerhalb eines Jahres hat die Unsicherheit weiter angeheizt.

Um die Wogen zu glätten will die Familie Tanzi nun die extrem verschachtelte und unübersichtliche Finanzarchitektur des Milch-Imperiums vereinfachen. Auch hierbei soll die Deutsche Bank, die jüngst ihren bisherigen Anteil an dem italienischen Konzern von 2,3 % auf 5,2 % aufgestockt hat, helfen.

In erster Linie geht es darum, die im Vergleich zu den industriellen Aktivitäten als überdimensioniert empfundenen Finanzaktivitäten zurückzuschrauben. Dadurch würde auch das Missverhältnis zwischen den Bruttoverbindlichkeiten (10,3 Mrd. Euro) und den Nettoschulden (1,8 Mrd. Euro) zurechtgerückt.

Grund für diese große Differenz ist, dass Parmalat Unternehmensanleihen im Volumen von 7,2 Mrd. Euro emittiert hat, von denen das Unternehmen aber rund 4,3 Mrd. Euro gleich wieder zurückgekauft hat. Investitionen im Kerngeschäft sind mit diesen Mitteln nicht getätigt worden. „Der Laden ist ein gigantisches Steuersparmodell,“ erläutert ein Banker in Mailand diese Konstruktion. „Das Problem ist, dass dabei jegliche Transparenz verloren geht.“

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