Italienischem Autokonzern droht Aufspaltung – Gerüchte um Kapitalerhöhung drücken Aktienkurs
Fiat kommt beim Umbau nicht voran

Die Aktie von Fiat hat am Montag rund 11 Prozent verloren.Nach einer Mitteilung von Fiat, dass der Konzern an seinen mittelfristigen Zielen des Sanierungsplanes festhalten werde, machte das Papier einen Teil der Verluste aber wieder wett.

mab/fas DÜSSELDORF. Fiat kündigte am Nachmittag an, die verschobene Hauptversammlung Ende Juni abhalten zu wollen. Zugleich stellte der Konzern klar, dass Fiat die im Jahr 2002 aufgelegte Wandelanleihe über drei Mrd. Euro nicht in bar, sondern in Aktien zurückzahlen werde. „Die Umwandlung wird, wie vereinbart, im September 2005 durchgeführt“, hieß es in dem Statement. Zudem erwarte man fristgerecht bis zum 13. Mai die letzte Tranche über 550 Mill. Euro von General Motors, die die Amerikaner als Ausgleich für die nicht wahrgenommene Übernahmeoption zahlen müssen. Fiat kann die 1,5 Mrd. Euro von GM als außerordentlichen Ertrag am Ende des Jahres verbuchen. Fiat-Chef Sergio Marchionne bekräftigte zudem, dass der Konzern in diesem Jahr erstmals die Verlustzone verlassen werde.

Die Berg-und-Tal-Fahrt an der Börse spiegelt die Skepsis, mit der die Finanzgemeinde die Entwicklung des Traditionsunternehmens verfolgt. Das Unternehmen habe angesichts der zuletzt katastrophalen Verkaufszahlen keine großen Handlungsspielräume mehr, hieß es in Mailänder Finanzkreisen. Konzernchef Marchionne werde in Folge eines rasanten Mittelverbrauchs von den Gläubigerinstituten dazu gedrängt, weitere Unternehmensteile zu veräußern. Dazu gehöre in erster Linie der Anlagenbauer Comau. Vom Tisch ist offenbar die Überlegung, den profitablen LKW-Hersteller Iveco zu verkaufen. Erst vergangene Woche hatte Fiat die Iveco-Finanztochter für rund 100 Mill. Euro an die britische Barclay-Bank abgestoßen.

„Marchionne muss alle Optionen prüfen, hier geht es ums blanke Überleben“, sagte ein hochrangiger Mailänder Banker. Eine Kapitalerhöhung sei indes weniger wahrscheinlich: Neue Aktien müssten zu einem Preis emittiert werden, der unter dem Nominalwert von fünf Euro je Anteilsschein liegt. Außerdem hat die Familie Agnelli, die über ihre Holding Ifil mit 30 Prozent der größte Fiat-Aktionär ist, weitere Kapitalspritzen kategorisch ausgeschlossen. „Wenn aber der Kernaktionär nicht mitmacht, würde eine solche Maßnahme mit großer Wahrscheinlichkeit ein Flop“, betonte der Banker.

In den ersten drei Monaten ist der Fiat-Absatz in Europa um 15 Prozent eingebrochen. Während auf dem Heimatmarkt die Verkäufe einigermaßen stabil sind, fahren die Italiener auf den wichtigsten Exportmärkten der Konkurrenz hinterher. So verkaufen die koreanischen Newcomer Hyundai und Kia in Deutschland mittlerweile doppelt so viele Autos wie die Italiener. In der jüngsten Werbeaktion nehmen Fiat-Händler Rollschuhe und Tretroller in Zahlung.

Experten sehen Fiat daher weiter unter Druck. „Wir sind skeptisch, ob Marchionne den Turn-around schaffen kann“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Zwar habe Fiat durch den abgeblasenen Einstieg von GM Geld in die Kasse bekommen, „ohne Partner wird die Sanierung aber kaum zu schaffen sein“, glaubt Pieper. Fredrik Werstin von der West LB ist überzeugt, dass nur harte Schnitte eine Sanierung möglich machen. „Die Überkapazität ist ein Problem. Fiat muss die vorhandenen Kapazitäten in den italienischen Werken reduzieren.“ Mit einer Auslastung von unter 70 Prozent liege Fiat deutlich unter dem Branchenschnitt, eine profitable Produktion sei so nicht möglich.

Ein über den Sanierungsplan hinausgehender Stellenabbau gilt zurzeit als politisch nicht durchsetzbar in Italien. Derzeit versucht das Management, mithilfe staatlich subventionierter Kurzarbeit über die Runden zu kommen.

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