Italienischer Ölkonzern
Eni forciert das Geschäft im Ausland

Der italienische Ölkonzern Eni will das kanadische Unternehmen First Calgary Petroleums für umgerechnet 607 Mill. Euro übernehmen. Mit der Übernahme, die das Management von First Calgary bereits abgesegnet hat, sichert sich Eni vor allem den Zugriff auf Öl- und Erdgasfelder in Algerien.

MAILAND. Die Italiener haben den Aktionären ein entsprechendes Angebot vorgelegt. Eni ist der größte Gaslieferant in Europa und mit einem Umsatz von 87 Mrd. Euro der sechstgrößte Ölkonzern weltweit, nach Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, BP, Total und Chevron. An der Börse ist das Unternehmen mit Sitz bei Mailand 83 Mrd. Euro wert. Mehr als ein Drittel der Aktien liegen in Staatshand.

Mit dem Zukauf von First Calgary setzt Eni seine Auslandsstrategie fort. Da das Unternehmen in Italien nur ein Zehntel seiner Rohstoffe fördern kann, setzt das Management seit Jahrzehnten auf Partnerschaften in anderen Ländern. Dabei schließt das 1953 gegründete Unternehmen auch Abkommen mit politisch umstrittenen Staaten wie Russland, Algerien und Libyen. Das erste Abkommen mit Algerien geht auf den Anfang der 70er Jahre zurück.

„Der Kauf von First Calgary passt in unsere Strategie, mit Akquisitionen von Assets mit hohem Potenzial in den neuen strategischen Gegenden zu wachsen“, sagte der Vorstandsvositzende Paolo Scaroni. „Das Abkommen erlaubt es uns, unsere Erfahrung in Algerien zu nutzen und wichtige operative Synergien zu realisieren.“

Durch den Kauf von First Calgary kann Eni seine Reserven nach eigenen Angaben um 190 Millionen Barrel Öl-und Erdgas in Algerien steigern. Damit erhöht Eni seine Erdgas-Reserven um drei Prozent. First Calgary entwickelt in dem nordafrikanischen Land derzeit mehrere Erdgasfelder. Die Förderung soll 2011 beginnen. Schon heute fördert Eni Erdgas in Algerien, welches durch eine eigene Pipeline über Sizilien nach Europa gelangt.

Dabei spielt Erdgas für Italien eine besondere Rolle: Während in Europa nur ein Viertel des Energiebedarfs durch Gas gedeckt wird, sind es in Italien rund 40 Prozent. Bei der Stromgewinnung macht Gas sogar 60 Prozent aus.

2007 hat Eni bereits rund 14 Mrd. Euro für Öl- und Gasfelder in Russland, Turkmenistan, den USA und Afrika ausgegeben. Eine ähnlich hohe Summe will das Management auch 2008 investieren. Um seine Marktanteile bei Erdgas zu erhöhen hat Eni bereits im Mai diesen Jahres das belgische Erdgasunternehmen Distrigaz für 2,74 Mrd. Euro übernommen.

Mit dem vorgeschlagenen Preis zahlt Eni eine Prämie von 20 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs von First Calgary seit Jahresbeginn. Die Investoren beider Seiten sehen den Zukauf positiv. Die Aktien von First Calgary sprangen gestern mehr als 40 Prozent nach oben. Und auch die Eni-Papiere legten gestern mehr als zwei Prozent zu.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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