Italiens Autokonzern will 2006 wieder Gewinne erzielen
Demel soll die Krise bei Fiat beenden

„Wir halten ein, was wir uns vorgenommen haben“, war der trockene Kommentar von Fiat-Seniorchef Umberto Agnelli nach dem Ende des Rätselratens um den neuen Chef von Fiat Auto. Schon Mitte kommenden Monats tritt der einstige Audi-Boss Herbert Demel seinen neuen Job in Turin an.

ROM. Die Fiat-Verantwortlichen hatten es eilig, und Demel hat als erster Ausländer an der Unternehmensspitze keine Zeit zur Eingewöhnung. Er muss seinen Teil zur Realisierung des Sanierungsplans beitragen: Bis 2004 will die Fiat-Gruppe insgesamt aus den roten Zahlen kommen, 2005 soll auch die Auto-Sparte ein ausgeglichenes Betriebsergebnis erzielen, 2006 sollen Gewinne fließen.

Mit der Ernennung des sechsten Vorstandsvorsitzenden, seit 1979 Fiat Auto als eigene Gesellschaft gegründet wurde, hat Turin auch diesen Posten neu besetzt. Mit Umberto Agnelli, der nach dem Tod seines Bruders Giovanni die Position des Präsidenten übernahm, dem neuen Konzern-Vorstandsvorsitzenden Giuseppe Morchio, der auf Paolo Fresco folgte, ist die neue Spitze mit Demel nun komplett. Das Trio soll den im vergangenen Winter angekündigten Strategiewechsel vollziehen: weg von der Diversifizierung, zurück zum Kerngeschäft. Um die leere Kasse zu füllen, hatte Fiat im vergangenen Jahr für insgesamt 7 Mrd. Euro den Versicherungskonzern Toro, den Finanzdienstleister Fidis und die Flugtechnikfirma Fiat Avio verkauft.

Morchio sieht in der Ernennung Demels ein „starkes Signal“ dafür, wie sehr die Fiat-Gruppe an eine positive Entwicklung des Autosektors glaube. Starke Signale hat die Autosparte auch dringend nötig nach Krisenjahren mit Rekordverlusten, hoher Verschuldung und Massenentlassungen. 2002 war das schwärzeste Jahr in der mehr als 100jährigen Fiat-Geschichte. Die Turiner fuhren einen Verlust von 4,3 Mrd. Euro ein. In Italien wurde sogar über einen Verkauf der Autosparte spekuliert, außerhalb Italiens gleich über eine Pleite.

Wochenlang protestierten die Arbeiter vor den Fiat-Werken in Turin und in Sizilien, die Regierung Berlusconi dachte laut über einen Einstieg bei Fiat nach. Aufwärts geht es, seit im Dezember der Fiat-Aufsichtsrat, Gläubigerbanken und die Regierung den Sanierungsplan besiegelten, der Stellenabbau, Schuldenreduzierung und eine Kapitalerhöhung von 1,8 Mrd. Euro vorsieht. Nach den neuesten Zahlen scheint der Plan zu greifen. So wurden die Verluste im zweiten Quartal 2003 auf 25 Mill. Euro reduziert, während es im Vergleichszeitraum noch ein Minus von 127 Mill. Euro gegeben hatte.

„Fiat ist dabei, aus der dunklen Ecke heraus zu kommen“, glaubt Valerio Castronovo, Wirtschaftshistoriker und wichtigster Fiat-Experte in Italien. „Die finanzielle Situation ist nach der Einigung mit den Gläubigerbanken und dem Verkauf der Unternehmensteile unter Kontrolle, das Team unter Umberto Agnelli sorgt für ein geschlossenes Bild des Unternehmens nach außen. Jetzt hängt alles von den neuen Modellen ab, jetzt muss der Markt über die Zukunft von Fiat Auto entscheiden.“ Etwa 8 Mrd. Euro kann Herbert Demel nach dem Sanierungsplan bis 2006 für die Modellerneuerung ausgeben.

Außer an neuen Autos müssen Morchio und Demel an einer weiteren Baustelle arbeiten: Sie müssen eine einvernehmliche Lösung mit dem US-Autokonzern General Motors (GM) finden. Die Amerikaner halten 20 % an Fiat Auto, 2004 hätte Turin die Möglichkeit, ihnen auch den Rest zu verkaufen. Daran ist GM allerdings momentan überhaupt nicht interessiert. Im Gegenteil: Indem sie sich an einer anstehenden Kapitalerhöhung nicht beteiligen wollen, wird der bisherige Anteil deutlich verwässert.

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