„Italo“ gegen die Staatsbahn
Ein Ferrari auf Italiens Gleisen

Erst seit kurzem schießt der neue „Italo“ über Italiens Gleise. Dahinter steckt nicht nur Ferrari-Präsident Montezemolo, sondern auch andere namhafte Investoren. Es ist ein Rennen von Luxusunternehmen gegen den Staat.
  • 0

Mailand/BolognaStazione Porta Garibaldi in Mailand. „Hier gibt es keine Fahrkarten für den Italo“, grummelt der grauhaarige Herr in grüner Uniform hinter der Scheibe. „Die haben ihren eigenen Ticketschalter.“ Wo der zu finden ist? „Keine Ahnung.“ Am Fahrkartenautomaten kann man ebenfalls keine Tickets für den neuen, privaten Hochgeschwindigkeitszug von NTV (Nuovo Trasporto Viaggiatori) kaufen. Auch in der Bahnhofsapotheke weiß keiner, wo es die Fahrkarten gibt: „Italo? Noch nie gehört.“ Letztlich kann die Dame an der Espressomaschine im Schnellrestaurant Bracco Cafè weiterhelfen: „Da müssen Sie runter ins Kellergeschoss. Da stehen die Automaten.“

Verbannt in die Schmuddelecke im Tiefgeschoss macht NTV das Beste draus. Das moderne Ambiente mit roten Ledersitzen hat nichts vom klassischen Wartesaal: in der Mitte ein runder Empfang ohne jede Verglasung, an den Wänden Tische zum Ausklappen mit Strom und Internet-Verbindung. An meterhohen Touch-Screens können die Kunden ihre Fahrkarten kaufen. Überall bieten junge Damen und Herren in dunkelroten Jacken zur grauen Hose ihre Hilfe an. Auch außerhalb des Wartesaals geleiten sie die Reisenden fast bis zum Zug, damit sie auch das Gleis 16 finden - am hinteren Ende des Bahnhofs.

„Italo“ gegen „Frecciarossa“ von der Staatsbahn Trenitalia. Das ist auch ein Rennen von Luxusunternehmen gegen den Staat. Denn hinter NTV stehen nicht irgendwelche Investoren, sondern der Ferrari-Präsident Luca Cordero di Montezemolo, der auch als Präsident von NTV firmiert, und Diego della Valle, der Chef des Edelschuhhersteller Tod's. Beteiligt sind auch die Großbank Intesa Sanpaolo, der Versicherer Generali und die französische Staatsbahn SNCF. Gemeinsam haben sie 1,1 Milliarden Euro investiert, den Großteil davon in Alstom-Züge. Der Break-Even ist Ende 2014 geplant.

NTV will vor allem mit Komfort und Service punkten. Um 17:19 Uhr geht es pünktlich los Richtung Neapel. Die dunkelblauen Sessel in der ersten Klasse riechen nach neuem Leder. An der Rückenlehne ist das Logo von „Poltrona Frau“ eingraviert, der Edelmöbelhersteller, den der Luxusfonds „Charme“ der Familie Montezemolo kontrolliert. In der gehobenen „Club“-Klasse gehört auch ein Monitor zur Ausstattung, mit dem man ins Internet kommt und Sky-Fernsehen empfängt. In der ersten und zweiten, etwas enger bestuhlten „Smart“-Klasse braucht man den eigenen Computer.

Seite 1:

Ein Ferrari auf Italiens Gleisen

Seite 2:

„Hier sind alle so freundlich“

Kommentare zu " „Italo“ gegen die Staatsbahn: Ein Ferrari auf Italiens Gleisen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%