IWKA
Schlappe für Wyser-Pratte

Der Großaktionär erreicht vorerst nicht, dass Dietrich Hein, Vorstandsvorsitzender der IWKA, seinen Hut nehmen muss. Die Einsetzung eines Nachfolgers scheiterte, der Machtkampf zwischen Guy Wyser-Pratte und Hein spitzt sich damit zu.

DÜSSELDORF. Guy Wyser-Pratte wird Wolfgang-Dietrich Hein einfach nicht los. Der Machtkampf zwischen dem amerikanischen Großaktionär und dem Vorstandsvorsitzenden der IWKA hat sich inzwischen so zugespitzt, dass die 9000 Mitarbeiter des Maschinen- und Anlagenherstellers kaum noch ein anderes Gesprächsthema haben. Seit Freitag ist klar: Die nächsten Wochen werden noch härter.

„Der heutige Tag hat keine, aber auch gar keine Bedeutung“, sagte Wyser-Pratte am Freitagabend zum Handelsblatt. Hinter der knappen Äußerung steht die blanke Wut. Der größte Aktionär der IWKA, der neun Prozent der Anteile hält, war 24 Stunden zuvor noch davon ausgegangen, das Unternehmen werde der Öffentlichkeit am Freitag nach der Aufsichtsratssitzung einen neuen Vorstandschef präsentieren. Doch nicht nur er hat sich verschätzt.

Rolf Bartke, der Aufsichtsratsvorsitzende der IWKA, hängt seit Donnerstagabend ebenfalls in der Luft. Wochenlang hatte Bartke mit Hilfe eines Headhunters einen Nachfolger für Hein gesucht und schließlich auch einen gefunden. Es soll sich um einen Manager aus dem Daimler-Konzern handeln, den Bartke aus seiner Zeit als Leiter der Nutzfahrzeugsparte von Daimler-Chrysler kennt. Vor etwa zehn Tagen trafen sich Bartke und Wyser-Pratte in der Schweiz, um die Personalie zu besprechen. Alles schien klar. Doch Bartke hatte etwas vergessen: das deutsche Mitbestimmungsrecht.

Nach Paragraph 31 des Mitbestimmungsgesetzes bedarf die Bestellung und die Abberufung eines Vorstandsmitgliedes einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Aufsichtsrat. Wenn diese Mehrheit nicht zustande kommt, muss der mit vier Personen paritätisch besetzte Vermittlungsausschuss innerhalb eines Monats einen neuen Vorschlag für die Bestellung machen. Nach Aussage von Wirtschaftsanwalt Erich Waclawik von der Frankfurter Sozietät Flick Gocke Schaumburg gibt es keine zeitliche Untergrenze für die zweite Runde, so dass die auch am gleichen Tag stattfinden könnte, wie dies von der Kapitalseite bei IWKA offensichtlich gewollt war. Doch Roland Köstler, Referatsleiter Wirtschaftsrecht der Hans Böckler Stiftung, weist darauf hin, dass der Vermittlungsausschuss eine schnelle zweite Abstimmung verhindern kann, wenn zum Beispiel die Arbeitnehmerseite dort dagegen stimmt und eine längere Beratung von maximal vier Wochen wünscht.

So kam es, dass Bartke am Donnerstag mit seinem Kandidaten für den IWKA-Chefposten gegen die Wand fuhr. Die Mitarbeitervertreter der IWKA waren schon seit Tagen auf ihren Aufsichtsratsvorsitzenden sauer. Obwohl in der Öffentlichkeit längst durchgesickert war, dass man sich von Hein trennen will, wurden die Betriebsräte über die Nachfolge völlig im Dunklen gelassen. Offenbar stellte sich Bartke vor, dem Personalausschuss am Donnerstag einen Kandidaten zu präsentieren, der schon am Tag drauf vom kompletten Aufsichtsrat abgenickt werden sollte. Doch Donnerstag stellten die Mitarbeiter klar: Nicht mit uns.

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