IWKA
„Wacht auf und riecht das Napalm“

Der badische Maschinen- und Anlagenbauer IWKA steht exemplarisch für ein Unternehmen, das durch einen Streit in der Führungsetage langsam, aber stetig heruntergewirtschaftet wird. Und dafür, wie der umstrittene Firmenjäger Guy Wyser-Pratte seine Geschäfte macht.

KARLSRUHE. Der Streit wirkt kindisch, ist aber nicht witzig. 9 000 Arbeitsplätze hängen von den Akteuren ab, die sich seit Monaten hinterrücks bekriegen. Beim Roboterhersteller IWKA in Karlsruhe streiten Eigentümer, Aufsichtsräte und Vorstände nur noch um eines: Posten. Öffentlich behaupten alle Parteien, sie wollten nur das Beste. Für den Konzern, für die Belegschaft. Doch die Belegschaft hat längst genug. Seit Jahren hoffen die Mitarbeiter auf einen Neuanfang, und bekommen doch immer nur den nächsten Akt desselben Trauerspiels.

Das Trümmerfeld ist kaum noch zu überblicken. Fünf Vorstände und sieben Aufsichtsräte hat die IWKA in den vergangenen zwei Jahren verschlissen. Nach dem Katastrophenjahr 2005 mit 148 Millionen Euro Verlust wurden zahllose Tochterfirmen verkauft, Hunderte von Arbeitsplätzen gingen verloren. Wer bleiben darf, verzichtet auf erhebliche Teile seiner Bezüge. Gleichzeitig fließen Millionen von Euro an Führungskräfte, die längst nicht mehr arbeiten, geschweige denn führen.

Nun soll noch einer gehen. Wolfgang-Dietrich Hein, vor 16 Monaten als Vorstandsvorsitzender angetreten, wird nach Informationen aus Unternehmenskreisen am Freitag seinen Rücktritt erklären. Er geht weder freiwillig, noch in bestem Einvernehmen, auch wenn dies vermutlich genau in diesen Worten in der offiziellen Verlautbarung der IWKA stehen wird.

Tatsache ist, dass Hein seinen Job noch vor wenigen Tagen weitermachen wollte. Der Konzern befindet sich mitten im größten Umbau seiner Geschichte. Derzeit wird der Verkauf der Verpackungssparte vorbereitet - mit 400 Millionen Euro Umsatz das zweitgrößte Geschäftsfeld der IWKA. „Ich bin mit der Restrukturierung im ersten Halbjahr 2007 durch“, sagte Hein kürzlich dem Handelsblatt. Doch so viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Denn Hein hat einen mächtigen Widersacher: Guy Wyser-Pratte.

„Wacht auf und riecht das Napalm.“ Es sind Sprüche wie dieser, mit denen sich der Amerikaner Wyser-Pratte als Finanzinvestor einen ganz besonderen Ruf erworben hat. Geboren 1940 in Frankreich als Sohn des Investmentbankers, entwickelte Wyser-Pratte als Soldat der US-Marines zwischen 1962 und 1966 seine Vorliebe fürs Militär und dessen Taktik. Schwächen erkennen, bloßlegen und mit allen Mitteln angreifen, so die Strategie des Amerikaners, die er ohne Zögern öffentlich darlegt.

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