Jaguars Comeback
Die angriffslustige Wildkatze

Jaguar Land Rover schien am Ende. Doch unter indischer Führung hat die britische Wildkatze wieder neue Angriffslust entwickelt. Der rassige F-Type ist nur der erste Schritt einer großen Produktoffensive.
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DüsseldorfAls Ratan Tata kam, glaubte kaum noch jemand an den Erfolg. Jaguar Land Rover (JLR), die britische Traditionsmarke aus Coventry, schien am Ende. Vorbesitzer Ford hatte den Ruf der Marke mit dem X-Type, einem Ford Mondeo im Jaguar-Kleid, ruiniert. Die Briten schrieben Jahr für Jahr neue Millionenverluste. Und nun sollte ausgerechnet der Milliardär aus der ehemaligen Kolonie und sein Billigauto-Hersteller der Sportwagen- und Geländewagenmarke zu neuem Glanz verhelfen. Die Branche war skeptisch, vor allem angesichts des hohen Kaufpreises von 2,3 Milliarden Dollar (1,75 Milliarden Euro).

Doch die Experten haben sich geirrt. Unter indischer Führung haben Jaguar und Land Rover zu alter Stärke zurückgefunden. Das liegt auch am deutsch-schottischen Führungsduo aus Jaguar-Chef Ralf Speth und Chefdesigner Ian Callum. Keine Zentrale bestimmte mehr den Kurs, unter indische Führung bekamen die Briten weitgehend freie Hand und frisches Geld. Trotz ihrer Ford-Vergangenheit wagten die beiden erfahrenen Automanager 2009 mit einer Milliarde Pfund „Entwicklungshilfe“ aus Indien den Neuanfang – und brachen mit alten Traditionen.

Allein die Entwicklung des Range Rover Evoque sorgte bei der Stammkundschaft für Stirnrunzeln und teilweise sogar Protest. Anstelle des klobigen Range-Rover-Designs hatten die Entwickler eine futuristische Hülle entworfen und auf einen serienmäßigen Allradantrieb verzichtet. Der Ford-Motor im Evoque weckte böse Erinnerungen an den X-Type. Doch die Konzentration auf den lukrativen SUV-Sektor hat sich ausgezahlt. „Mit dem Evoque hat Land Rover das Segment der Stadt-SUV miterfunden“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen. Seit Verkaufsstart im Jahr 2011 ist Evoque mittlerweile mehr als 140.000 Exemplare verkauft worden. Nun denken die Briten sogar über eine Cabriovariante nach. Es wäre ein weiterer Tabubruch.

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Zulassungen der Premium-Autobauer

Veränderung in Prozent, Mai 2012 - Mai 2013

Aber auch für langjährige Markenfans haben die Briten neue Modelle im Angebot. Das Einsteigermodell, der Land Rover Freelander, wurde komplett überarbeitet und punktet im kleinen SUV-Segment. Für Traditionalisten erschien die Ikone des Konzerns, der Range Rover, in einer neuen Auflage. Land Rover ist bisher der große Umsatztreiber des Konzern. Doch auch Jaguar begeht beim Design neue Wege. Mit dem XF Sportbrake haben die Briten die erste Kombi-Variante aufgelegt und wollen so Audi A6 Avant und BMW 5er Touring attackieren.

Der große Erfolg der neuen Modelle lässt sich an den Zahlen ablesen. Weltweit konnte der Absatz im vergangenen Jahr um 22 Prozent auf 374.600 Fahrzeuge zulegen. Allein in China stieg der Absatz um 48 Prozent auf 71.940 Einheiten. „Ich gehe davon aus, dass der chinesische Markt weiter wachsen wird“, ist Speth überzeugt.

Auch in Deutschland wachsen die Briten gegen den Trend: Während der deutsche Automarkt im ersten Quartal um fast 13 Prozent eingebrochen ist, können Jaguar und Land Rover ihre Rekordergebnisse des Vorjahres erneut überbieten. Acht Prozent konnte Jaguar in den ersten drei Monaten zulegen, Land Rover verkaufte sogar 16 Prozent mehr Autos. Nun sollen der Jaguar F-Type und der Range Rover Sport neue Käufer anlocken.

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Wildern bei den Deutschen

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