Industrie

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Jahresbilanz: Ölkatastrophe belastet britischen Multi BP

Der Ölkonzern BP erleidet einen deutlichen Gewinnrückgang. Die Katastrophe im Golf von Mexiko und ein sinkender Absatz belasten die Briten. Dennoch steigt der Aktienkurs. Experten hatten Schlimmeres befürchtet.

Ölplattform im Golf von Mexiko. Quelle: dpa
Ölplattform im Golf von Mexiko. Quelle: dpa

LondonDer britische Ölkonzern BP hat im vierten Quartal deutlich weniger verdient. Der Nettogewinn sei auf 1,6 Milliarden US-Dollar gesunken, teilte BP mit. Ein Jahr zuvor waren es noch fast 7,7 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2012 meldet der Ölkonzern einen Reingewinn von 11,6 Milliarden Dollar Gewinn. Im Vorjahr waren es 25,7 Milliarden Dollar.

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Die Briten ringen nach wie vor mit den Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Die Kosten für die verheerenden Schäden, die der Unfall auf BPs Bohrinsel „Deepwater Horizon“ verursacht hat, beliefen sich im Schlussquartal auf 4,13 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr schlagen fünf Milliarden Dollar zu Buche.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

  • Die größte Umweltkatastrophe der USA

    Die Explosion der vom BP-Konzern geleasten Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Bei dem Unglück starben elf Menschen, zwei weitere kamen später bei Rettungsarbeiten ums Leben.

  • Fatales Öl-Leck

    Aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe waren fünf Monate lang insgesamt bis zu 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. Bei Fischern und Anwohnern des Katastrophengebiets bleibt die Sorge um Spätschäden infolge des Öls und knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel.

  • Verheerende Folgen

    Mehr als 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. Hunderttausende Tiere wie Meeressäuger, Fische, Pelikane und Schildkröten starben an den Folgen. Die Tourismusbranche und Fischer aus der Region erlitten schwere Einbußen.

  • Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“

    Die im Golf von Mexiko gesunkene Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war auf die Erkundung von Tiefseevorkommen spezialisiert. Im September 2009 erreichte sie bei einer Bohrung im Meeresboden die Rekordtiefe von mehr als 10.600 Metern.

  • Tiefsee-Plattform

    Die schwimmende Plattform konnte in bis zu 3000 Meter tiefen Gewässern eingesetzt werden. Sie wurde vom Tiefsee-Spezialisten Transocean betrieben und war für den britischen Ölkonzern BP im Einsatz.

  • Größer als ein Fußballfeld

    Die 121 Meter lange und 78 Meter breite „Deepwater Horizon“ war größer als ein Fußballfeld. Sie wurde 2001 in Südkorea fertiggestellt und konnte auch in orkanartigem Sturm mit neun Meter hohen Wellen arbeiten.

Ohne solche Einmalbelastungen betrug der Gewinn im vierten Quartal vier Milliarden Dollar. Branchenexperten hatten im Schnitt nur mit einem Gewinn von 3,3 Milliarden Dollar gerechnet. Dank der übertroffenen Erwartungen legte der Aktienkurs im Londoner Handel um fast zwei Prozent zu. „Die Bilanz ist unseres Erachtens solide“, sagt Sven Diermeier, Analyst der WGZ-Bank.

Rechnet man die Ölpreisschwankungen heraus, lag der Gewinn 2012 bei 17,6 Milliarden US-Dollar, im Vergleich zu 21,7 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. Die Nettoverschuldung lag bei 27,5 Milliarden Dollar zum Jahresende. Die Dividende hielt BP zum Jahresende stabil bei neun Cent je Aktie.

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Um Strafen, Gerichtskosten und Schadenersatz für das Deepwater-Horizon-Desaster zu begleichen, baut Konzernchef Bob Dudley den Konzern und schlägt Unternehmensteile los. Fast 90 Tage floss im Frühjahr 2010 unkontrolliert Öl ins Meer. Die größte Ölpest in der US-Geschichte hinterließ enorme Schäden in der Natur sowie für die Fischerei.

In diesem Monat beginnt in den USA ein weiterer Gerichtsprozess, der BP teuer zu stehen kommen könnte. Insgesamt rechnet BP mit Kosten von mehr als 42 Milliarden Dollar für die Nachwirkungen der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“. Der Konzern hat sich inzwischen mit den meisten betroffenen Privat- und Geschäftsleuten sowie mit den Strafverfolgungsbehörden in den USA geeinigt. Es stehen nun noch Entschädigungszahlungen für fünf Bundesstaaten sowie die Regierung in Washington aus - etwa für Umweltschäden und Tourismusausfälle.

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