Jahresprognose angehoben
Biblis-Ausfall kommt RWE teuer zu stehen

Der Ausfall des Atomkraftwerks Biblis kommt den Essener Energiekonzern RWE teuer zu stehen. Mit rund 400 Mill. Euro habe der Stillstand das Ergebnis des Unternehmens belastet, hieß es. RWE hatte im Herbst die Blöcke A und B nach Mängeln bei der Montage von Spezialdübeln vom Netz genommen.

HB DÜSSELDORF. Der Versorger kündigte am Donnerstag an, im Gesamtjahr das betriebliche Ergebnis um zehn bis 15 Prozent steigern zu wollen. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis solle um mindestens 15 Prozent steigen. Bislang hatte RWE bei beiden Werten ein Wachstum von zehn Prozent angepeilt. Voraussetzung für die Prognose sei weiter, dass bis Jahresende eine Mehrheit an der US-Tochter Amercian Water verkauft werde.

Der scheidende Konzern-Chef Harry Roels gab in einer Telefonkonferenz bekannt, die US-Regulierungsbehörden hätten den Weg fü die Transaktion freigemacht. "RWE hat alle 13 Zustimmungen der Regulierungsbehörden für den Verkauf erhalten. Dies ist einer der wichtigen Bausteine auf dem Weg zum Börsengang von American Water", sagte Roels.

Der nach Eon zweitgrößte deutsche Energiekonzern profitierte im ersten Halbjahr erneut von Zuwächsen in der Stromerzeugung und in der Handelssparte. Das betriebliche Ergebnis stieg um 18,4 Prozent auf 4,45 Mrd. Euro und lag damit auf dem Niveau der Analystenschätzungen. Der Umsatz ging um 2,4 Prozent auf 22,62 Mrd. Euro zurück, während die Experten hier RWE im Durchschnitt 23,43 Mrd. Euro zugetraut hätten. Der um 58,5 Prozent auf 2,629 Mrd. Euro gestiegene Überschuss übertraf hingegen die Erwartungen, die bei 2,38 Mrd. Euro gelegen hatten.

RWE bekräftigte, mit Milliardeninvestitionen seine Kraftwerkskapazitäten ausbauen zu wollen. Zu den Projekten gehören unter anderem das im Bau befindliche Kohlekraftwerk am Standort Neurath sowie Kraftwerksneubauten in Lingen, Ensdorf, Hamm und im niederländischen Eemshaven. Bereinigt um den Wasserbereich lägen die in diesem Jahr geplanten Sachinvestitionen von vier Mrd. Euro um rund 40 Prozent über dem Vorjahreswert.

Roels hatte RWE in den vergangenen Jahren auf das Kerngeschäft mit dem renditestarken Strom- und Gasgeschäft getrimmt und im Herbst 2006 die britische Wassertochter Thames Water verkauft. Noch in diesem Jahr will sich RWE über einen Börsengang von der US-Wassertochter American Water trennen, wodurch dem Versorger weitere Milliardeneinnahmen winken.

Die hohe Finanzkraft von RWE hat jedoch auch Spekulationen genährt, der Konzern könne zum Ziel einer feindlichen Übernahme werden. Als mögliche Angreifer waren der russische Gasmonopolist Gazprom und der französische Energieriese EdF genannt worden.

RWE bestätigte am Donnerstag zudem, der Konzern wolle sich an der geplanten Nabucco-Pipeline beteiligen. Dies sei eine wichtige Komponente in der Wachstumsstrategie im Gasgeschäft, sagte Roels.

RWE habe sich als sechster Equity-Partner beworben und hoffe noch in diesem Quartal auf die Zustimmung aller bisherigen fünf Nabucco-Partner, sagte Roels. Bislang habe RWE schon „sehr positive Signale“ hierfür erhalten. Die Nabucco-Pipeline soll die Erdgasvorkommen der kaspischen Region und des Mittleren Ostens mit den Verbrauchsregionen in Süd- und Westeuropa verbinden.

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